Spotted

spotted

Wer seine wertvolle Zeit gelegentlich auf Social-Media-Plattformen vergeudet, der wird früher oder später vielleicht einmal auf eine sogenannte Spotted-Seite stoßen. Ein Phänomen, durch welches die Internetgemeinde in den letzten Jahren verstärkt heimgesucht wird. Aber nicht nur die Welt des Internets ist betroffen. Es kann jeden treffen, so auch nichts ahnende Menschen, die sich in der realen Welt bewegen. Ähnlich einem plötzlichen Herztod kann es einen nahezu überall und zu jeder Zeit ereilen.

„Spotted“ als neue gesellschaftliche Krankheit der Generation Facebook

Ob beim Einkaufen, auf dem Weg zum ungeliebten Job oder beim Besuch eines Lokals. Wenn Sie jemand sympathisch findet, Sie jemanden anlächeln, einfach nur freundlich sind oder gerade an einer Ampel stehen, dann laufen Sie Gefahr, in Form einer anonymen Suchanzeige auf einer Spotted-Seite zu landen. Grundvoraussetzung hierbei ist, dass der Suchende zu feige ist,  oder ihm die Gelegenheit fehlt, Sie in der realen Welt anzusprechen. Was man auf solch gearteten Seiten zu lesen bekommt, ist teils amüsant, meist jedoch besorgniserregend. Überwiegend sind die dort abgesonderten Beiträge Peitschenhiebe in jeden gesunden Verstand. Ohne jede Hemmung veröffentlichen die Betreiber solcher Plattformen scheinbar alles, was ihnen in die Finger kommt. Zum besseren Verständnis habe ich einige dieser Schwachsinnszeugnisse beispielhaft aufgeführt:

spotted
Hallo i bims, 1 Kommentar. Der Fiat 500 scheint wirklich eine hübsche Frau zu sein. Kommata wurden aus Kostengründen eingespart.
spotted
Sicher, dass er zwei Meter groß war und Bart hatte? – Könnte auch die Putzfrau gewesen sein.
spotted
Nicht einmal in Ruhe an der Ampel stehen kann man, ohne gleich von Fragezeichen überfahren zu werden…
spotted
Zumindest der Verfasser dieses Beitrags kennt sich selbst nicht mehr, wie es scheint. Aber wenigstens hat er jetzt was im Hirn.
spotted
Den hat höchstens ein Bus geküsst. Das Erinnerungsvermögen wurde bei dem Unfall schwer geschädigt, das Sprachzentrum wohl ebenfalls.
spotted
Wer einfach nur eine Pizza bestellt, kann schnell zum Opfer werden.
spotted
Auch wer arbeitet, findet sich schnell im Urinal der Geistlosigkeit wieder.
spotted
Er war wohl auch in der Schule zu langsam.
spotted
Für den Scirocco war es nicht gerade leicht, eine passende Jacke zu finden. Bei 180 macht sie allerdings ziemliche Windgeräusche.
spotted
Die Maus war wohl Schlangenfutter. Aber wenigstens das Mittagsgeschäft war am Laufen. Bleibt zu hoffen, dass er seine Windel trug.

Wichtig scheint auch das ausdrückliche Verlangen nach Anonymität zu sein. Dabei weiß eigentlich jedes Kind, dass auf derartigen Angeboten immer anonym veröffentlicht wird. Zumindest im noch funktionierenden Kleinhirn scheint sich die Angst vor der Offenbarung des eigenen Stumpfsinns manifestiert zu haben.

Selbstverständlich macht sich niemand Gedanken darüber, ob der oder die Betroffenen überhaupt willens sind, gespotted zu werden. Stattdessen wird in latent schreibunkundiger Manier munter drauf los inseriert. Die Mehrzahl der Beiträge lässt erahnen, dass deren Verfasser entweder dem Schwachsinn verfallen sind oder im besten Fall die Förderschule in der siebten Klasse abgebrochen haben. Das Resultat einer mental defektiven Generation von Smartphone-Nutzern, die ohne Wortvorschläge und Autokorrektur nicht einmal im Stande wäre, sich in ihrer Muttersprache eine Pizza zu bestellen. Lässt man solche Kopfinvaliden auf eine herkömmliche Tastatur los, ergibt sich eine undefinierbare und von Illettrismus durchzogene Aneinanderreihung von Buchstaben. Kurzum, Gestammel in Schriftform.

Mithaftend für diese Zustände mache ich die Anbieter, die durch ihr gewissenloses Handeln derartige literarische Minderleistungen fördern, und somit das vollständige Entbehren eines orthografischen Mindestkodex erst gesellschaftsfähig machen.

Da Dummheit eine schwere, unheilbare und ansteckende Krankheit ist, gilt es, derartige Spotter strikt zu meiden. Antworten Sie keinesfalls auf solcherlei Gesuche. Um gar nicht erst Gefahr zu laufen, gespotted zu werden, gebe ich folgende Tipps:

– Seien Sie niemals freundlich zu Fremden
– Meiden Sie Blickkontakt mit Fremden
– Sprechen Sie nicht mit Fremden
– Vermeiden Sie öffentliche Verkehrsmittel
– Meiden Sie Brennpunkte wie Fast-Food-Restaurants, Fitnesstempel oder die Dorfdisco
– Fahren Sie nicht mit dem Auto
– Arbeiten Sie nicht
– Gehen Sie nicht Einkaufen
– Bleiben Sie am besten zu Hause
– Bestellen Sie keine Pizza

Inzwischen hat auch eine weitere Gattung die Spotted-Seiten für sich entdeckt und umgehend zweckentfremdet. Die bereits aus der Tinderwelt bekannten Beziehungssuchenden, die das Land mittlerweile zu überziehen scheinen, wie eine Heuschreckenplage. Die Urheber solcher anonymen Annoncen ergehen sich regelrecht in Selbstherrlichkeit und ziehen alle Register, um sich nach außen hin als gute Partie zu inszenieren. Da wird nach allen Regeln der Kunst gelogen, dass sich die Balken biegen.

Hier halten sich Männlein und Weiblein allerdings die Waage. Gerne wird auch im angeblichen Auftrag für Freunde, Bekannte oder Kollegen gesucht, die nicht auf Facebook sind oder kein Internet haben (wers glaubt). Dass sie den eigentlichen Sinn dieser Seiten, vermutlich mangels Intellekt, gar nicht verstanden haben, scheint sie nicht groß zu beunruhigen. Manche bemühen sich zusehends um vermeintliche Originalität, bleiben jedoch im Ergebnis ein Musterbild an grenzdebiler Peinlichkeit. Eines ist ihnen jedoch allen gemein: Die pure Verzweiflung trieft aus jeder Zeile. Hier einige traurige Beispiele:

spotted
Sein Selbstbewusstsein führte ihn direkt auf eine Spotted-Seite.
spotted
Wer jetzt noch nicht verschreckt ist, hat vermutlich bereits eine erfolgreiche Lobotomie hinter sich. Für Herzklopfen, rot anlaufen, zittrige Hände und weiche Knie hätte ich einen Tipp: Einfach zwei Kupferdrähte in die Hand nehmen und in die nächste Steckdose einführen.
spotted
Offenbar ein Wertefetischist. Weil er so viel wert auf Werte legt, versteckt er seine Nachrichten in den Ordnern fremder Leute.
spotted
Dieses Gesuch aufzuklappen, habe ich mir erspart. Nein, niemand findet kurze Haare an Frauen schön. Die, die behaupten es zu tun, lügen aus reiner Höflichkeit.
spotted
Ich wünsche mir nichts mehr, als endlich wieder geliebt und benutzt zu werden. Deine Kommataste.
spotted
Wenn Tattoos und Piercings die tragenden Eigenschaften sind, erklärt das zumindest, warum „Hassen“ bei ihr groß und „männer“ dafür kleingeschrieben wird.
spotted
Da kann man wirklich nur noch hoffen, dass ihm bald ein Hase das Internetkabel durch nagt.

Spotted: Fazit

Normalerweise würde ich jetzt gerne weiterschreiben, aber ich stelle fest, dass die Recherche für diesen Artikel nicht spurlos an mir vorübergegangen ist. Mir ist jetzt doch ein wenig schlecht. Ich hoffe, die Nerven meiner geschätzten Leser sind von härterer Natur. Wer bis hierhin mitgelesen hat, weiß nun, warum man nicht umhinkommt, die sogenannten Spotter zu verspotten. In diesem Sinne: Seien Sie stets auf der Hut und lassen Sie sich keinesfalls spotten.

Spotted?

View Results

Loading ... Loading ...