Unfreiwillige Zeitreise

Zeitreise

Am Wochenende war es wieder so weit. Plötzlich geht das Licht an, die Musik aus und die Party ist vorbei. Im ersten Moment begreift niemand so recht, warum. Doch dann schwant mir, was geschehen ist. Anstatt zwei Uhr ist es plötzlich drei Uhr. Ein Zeitsprung, nur ohne Flux-Kompensator und ohne DeLorean. Leider, weil das wäre zumindest noch cool gewesen. Aber nein, es ist nur die schnöde Umstellung auf die Sommerzeit, eine Geißel, die jährlich über die Menschen in der westlichen Welt hereinbricht. Eine Stunde wird uns gestohlen, damit man sie uns ein halbes Jahr später wieder schenkt. Das Schlimme daran ist, dass alle diesen Zeitreise-Irrsinn mitmachen, ohne eigentlich genau zu wissen, warum.

Und genau da liegt der Hund begraben. Der Sinn dieser ominösen Zeitumstellung ist höchst fragwürdig. Ich persönlich halte das Ganze für ein gesellschaftliches Experiment, dessen Sinn es ist, der Bevölkerung etwas völlig Sinnbefreites aufzuzwingen. Um sich im Anschluss daran zu erfreuen, wie die geistlosen Schafe sich dieser gemütskranken Erfindung unterwerfen. Das in der Vergangenheit immer wieder angeführte schlagende Argument ist, dass es Strom sparen solle, da man eine Stunde mehr Tageslicht zur Verfügung habe. Inzwischen ist das jedoch durch seriöse Studien widerlegt. Diese Studien hätte man sich allerdings sparen können, denn ein von Logik beseelter Verstand weiß bereits nach fünf Sekunden, dass dieses Argument einfach nur volksverblödender Bullshit ist.

Warum sollte man im Sommer durch eine Stunde mehr Licht Strom sparen wollen, im Winter jedoch auf einmal nicht mehr? So wirklich erklären kann das niemand. Aber selbst in der Politik wird immer wieder über Sinn und Unsinn der Zeitumstellung diskutiert. Allerdings wird eben nur in populistischer Weise darüber schwadroniert, anstatt endlich mal Taten folgen zu lassen. Kein Wunder bei dieser Ansammlung von verkalkten Betonschädeln, die einzig zum Selbstzweck ihre Ämter bekleiden. Da bietet es sich doch an, das vom Schlafentzug überreizte Wählerhirn jedes Jahr aufs Neue unter dem Vorwand zu stimulieren, man würde sich tatsächlich für die Bedürfnisse des leidenden Volkes interessieren.

Wenn man selbst nicht betroffen ist, funktioniert das umso besser, denn als Politiker bleibt man eben einfach eine Stunde länger liegen oder steht gar nicht erst auf. Dort wo man sich ohnehin täglich der Unproduktivität ergibt, kein großer Verlust. Aber auch im deutschen Beamtentum sieht es keinesfalls besser aus, denn dort entbehrt man seit je her jeglichen Gefühls von Zeit und Raum. Es soll sogar Beamte geben, die es ein halbes Jahr lang gar nicht bemerken, wenn die Zeit umgestellt wurde. Im eigenen Interesse sollte man sich ein Beispiel daran nehmen, denn diese Menschen gehen nach Feierabend immerhin ausgeruht nach Hause. Den Sommer erkennen sie lediglich daran, dass sie regelmäßig von den umherkriechenden Nacktschnecken verfolgt werden.

Zeitumstellung abschaffen?

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