Das Interview

Interview

Im Auftrag seiner Leser reiste rabotnik.de kurzfristig nach Nordkorea für ein Interview mit dem amtierenden Diktator Kim Jong Un. Dieser gibt sich jüngst in bisher ungewohnter Weise gesprächsbereit. Zu Anfang lief es ein wenig holperig mit meinem Nordkoreanisch, aber im Laufe des Gesprächs wurde es immer flüssiger.

Herr Un, wie kommt es, dass Sie sich plötzlich der Welt von ihrer guten Seite präsentieren?

Naja, eines morgens wachte ich nach einer durchzechten Nacht neben meiner Wasserstoffbombe im Bett auf und dachte mir, so kann das nicht weiter gehen.

Sie wollen also kein furchteinflößender Diktator mehr sein?

Wir leben in einer Zeit des Wandels. Dass Nordkorea das Bild einer Diktatur voller Schrecken, Elend und Unterdrückung weiterhin aufrecht erhält, ist aus meiner Sicht nicht mehr notwendig.

Warum nicht?

Jahrzehnte lang waren wir die Bösen. Jetzt sind mal andere dran. Ich denke, dass ein fernes Land namens Bayern zukünftig diese Rolle einnehmen wird.

Wie kommen Sie darauf?

Aus den internationalen Medien habe ich erfahren, dass dort eine Partei namens CSU regiert. Ich habe mir deren Agenda durchgelesen und festgestellt, dass die Partei der Arbeit Koreas dagegen wie ein Haufen Waisenknaben wirkt. Da wurde mir klar, dass wir mit denen niemals Schritt halten können.

Können Sie das näher ausführen?

Der letzte der mich das gefragt hat, den habe ich mit einer 35 mm Flak hinrichten lassen. Aber Sie haben Glück, dass ich heute einen guten Tag habe. Alleine die Erscheinung von diesem Joachim Herrmann ist absolut erschreckend. Ich dachte zuerst, ich sehe einen Star Wars Film und da spricht Darth Vader. Dann habe ich realisiert, dass das echt ist und er das ernst meint, was er sagt. Das hat mir Angst gemacht.

Das kann ich gut verstehen. Wie wird so etwas in Ihrem Land gehandhabt?

Wir haben hierzulande auch so etwas wie Konzentrationslager, in denen wir beispielsweise Systemkritiker auf unbestimmte Zeit inhaftieren. Psychisch Kranke haben bei uns allerdings automatisch das Recht, ein hohes Regierungsamt zu bekleiden. Sie werden nicht stigmatisiert, sondern als normaler Teil der Gesellschaft akzeptiert. Selbst Wölfe dürfen bei uns unbehelligt durch die Natur streifen. Das willkürliche Abhören von Telefongesprächen dient bei uns lediglich der Unterhaltung, da wir hier keine anständigen TV-Sender empfangen können. Auch die Internetverbindung ist nicht gerade der Hit. Allerdings finde ich, der Gedanke von handgranatentragenden Polizeibeamten hat was für sich.

Werden nordkoreanische Polizisten zukünftig auch Handgranaten tragen?

Nein, natürlich nicht. Das war doch nur ein Witz. So etwas finde ich unverantwortlich. Zudem haben wir unsere Langstreckenraketen, das reicht völlig.

Wie steht es in Ihrem Land um die Religionsfreiheit?

Seit Mitte des letzten Jahrhunderts ist Pjöngjang zum koreanischen Zentrum des Christentums avanciert. Es wird sogar als „das Jerusalem des Ostens“ bezeichnet. Allerdings würden wir es niemals wagen, der Bevölkerung Kreuze aufzuzwingen. Dieser Markus Söder ist wirklich völlig irre. Wer die kulturelle Prägung der Bayern über Kreuze und religiöse Götzenbilder definiert, hat aus meiner Sicht einen an der Waffel. Das kann er nicht ernst meinen. Ich glaube eher, er will mit dieser kruden Form des Populismus, der AfD die Wähler abspenstig machen. In nordkoreanischen Haushalten muss zwar auch überall ein Bild von mir hängen, aber das ist etwas völlig anderes.

Warum ist das etwas völlig anderes?

Wenn Sie nicht doch noch vor der Flak enden wollen, dann sollten Sie die Frage lieber noch mal überdenken.

Das klingt plausibel. Welche Zukunft sehen Sie für Bayern?

Wenn es die CSU schafft, ihre Pläne in die Tat umzusetzen, dann eine ziemlich Düstere. Wir werden das genau beobachten. Während wir darüber nachdenken, wieder Menschenrechte einzuführen, will die CSU diese untergraben und aushebeln. Das ist definitiv ein Rückschritt. Christlich und sozial sieht anders aus. Ich finde, diese Partei sollte sich in CSDAP umbenennen. Vor allem in Anbetracht der Diffamierung von Kritikern, der Ausgrenzung und Kriminalisierung von Hilfsbedrüftigen und dem christlich-religiösen Fanatismus sehe ich deutliche Parallelen zu vergangenen totalitären Regimen. Ich denke, Adolf Hitler wäre stolz auf seine Nachfolger. Konfliktpotenzial sehe ich aber zwischen Herrmann und Söder. Der eine will einen Polizeistaat errichten, der andere einen Gottesstaat. Man muss sich für eines entscheiden. Ich habe solchen Kontroversen immer umgehend durch präventive Exekutionen vorgegriffen.

OK Herr Un, vielen Dank für dieses aufschlussreiche und interessante Interview.

Ich danke Ihnen ebenfalls für Ihr geheucheltes Interesse. Das bin ich bereits von meinen Generälen gewöhnt und es gibt mir eine gewisse Sicherheit. Ich muss gleich los, zur Mittagshinrichtung.

Wer wird denn heute hingerichtet, wenn ich fragen darf?

Wir haben eine Reisegruppe, bestehend aus CSU-Funktionären, in der Nähe der Kathedrale von Jangchung aufgegriffen. Da diese eine unmittelbare Gefahr für die Einführung unserer zukünftigen Demokratie darstellen könnten, gehen wir lieber auf Nummer sicher.

Das verstehe ich. Auf Wiedersehen.

Auf Wiedersehen. Und viel Glück in Bayern. Falls es mal Probleme gibt, dürfen Sie bei uns gerne einen Asylantrag stellen.

Interview
Für das Interview und das anschließende Fotoshooting stieg Kim Jong Un auf einen eigens angefertigten, 30 cm hohen Sockel. Eigentlich ist es in Nordkorea verboten, größer als der Diktator zu sein. Aber für rabotnik.de machte er eine Ausnahme.

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