Danke Merkel!

Merkel

Zugegeben, auch ich ertappe mich regelmäßig dabei, verbal auf die amtierende deutsche Kanzlerin, Angela Merkel, einprügeln zu wollen. Mit ihrer unförmigen Erscheinung, den chronisch nach unten gezogenen Mundwinkeln und ihrem Hosenanzug ist sie nicht gerade eine Augenweide. Stoisch die Hände vor dem Bauch zur Raute gefaltet, wird sie wohl regieren, bis Männer in weißen Turnschuhen sie eines Tages in der Zwangsjacke vom Rednerpult wegführen werden. Ihre politischen Entscheidungen scheinen überwiegend fehlerbehaftet und bisweilen höchst fragwürdig. Sie ist eine Lobbyistin durch und durch. Potenzieller Konkurrenten hat sie sich stets geschickt und unauffällig entledigt. Man macht ihr zum Vorwurf, eine Marionette der US-Regierung zu sein und auf deutschem Boden gerne amerikanische Interessen durchzusetzen. Auch wenn das Verhältnis zu Donald Trump im Vergleich zu seinem Vorgänger etwas abgekühlt zu sein scheint, stimme ich dem zu.

Die Frage die sich nun stellt, ist: Hätte es ein anderer besser gemacht? In Deutschland gibt es ca. 80 Millionen kleine Diktatoren und jeder weiß, was das Beste für sein Land wäre. Ein Bundeskanzler braucht Stärke, Charisma, fachliche und soziale Kompetenz, diplomatisches Verhandlungsgeschick und eine gewisse Abgebrühtheit. Merkel hat, mit Verlaub, wenig davon. Anstatt am Verhältnis zu unseren russischen Nachbarn zu arbeiten, setzt sie auf Konfrontation und trägt somit einen entscheidenden Teil zum neuen Kalten Krieg bei. Erschwerend hinzu kommt, dass Putin Merkel nicht zu mögen scheint, was das Ganze nicht gerade einfacher macht. Bei ihrem Vorgänger, Gerhard Schröder, war das ganz anders, deshalb sitzt dieser nun auch im Vorstand von Gazprom. Allerdings wurde dieser auch per Misstrauensvotum aus dem Amt befördert. Wer hier die Unterstellung wagt, fremde Mächte könnten die Finger mit im Spiel gehabt haben, wird schnell in die Ecke der Verschwörungstheoretiker gestellt.

Dabei ist das gar nicht so unwahrscheinlich, da es andernorts bei der Entsorgung von führenden Köpfen im Nachgang nahezu immer Hinweise auf US-amerikanische Interventionen gab. Zudem verweigerte Gerhard Schröder zu Zeiten des aufkeimenden Irakkriegs die Beteiligung an US-geführten Luftangriffen und bewies damit Rückgrat gegenüber den Imperialisten. Anzuzweifeln ist, ob Merkel in dieser Situation genauso gehandelt hätte. Andererseits wäre die Beteiligung an einem Angriffskrieg ein klarer Rechtsbruch gewesen. Aber zurück zur Kanzlerfrage. Einem Martin Schulz hätte ich die Aufgabe noch weniger zugetraut. Dieser verfügt etwa über das Charisma eines Sacks Kartoffeln und die rhetorischen Fähigkeiten einer Schlaftablette. Mit seiner Wankelmütigkeit und Unglaubwürdigkeit führte er sich selbst ad absurdum und läutete den schmählichen Untergang seiner Partei, der SPD, ein. Das einstige Ansehen dieses traurigen roten Haufen Elends ist kaum wieder herzustellen.

Wie jüngst die NPD, droht er hoffnungslos in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Noch weniger allerdings wünsche ich mir einen AfD-Bundeskanzler. Dieser hätte zwar eine virtuelle Trollarmee und die einstigen NPD-Wähler im Rücken, mehr aber auch nicht. Die AfD, jung und aufstrebend, hat sich laut schreiend zum erbitterten moralischen Verfechter deutscher Interessen erhoben. Allerdings drängt sich dem geneigten Beobachter die Befürchtung auf, dass sich diese Partei bis zur nächsten Wahl bereits vollständig demontiert haben könnte. Oder aber, die AfD muss sich erst noch finden. Der Weg vom kruden Parolenschwinger mit plumper Rhetorik, hin zu einer ernst zu nehmenden politischen Partei, deren Vertreter erst nachdenken und dann reden, wäre allerdings ein Weiter. Auch in der Propaganda-Abteilung, die derzeit jeden Gehirnfurz irgendwelcher unterbelichteten Ortsverbandsvorsitzenden ungeprüft im Namen der Partei veröffentlichen lässt, wären dann zwingend personelle Konsequenzen notwendig.

Aber was wäre eine gute rechtspopulistische Partei, ohne ein patentes Feindbild. Wer wäre dafür besser geeignet, als die Kanzlerin. Im Zuge gegenläufiger politischer Interessen ist so ein Feindbild im demokratischen Sinne durchaus vertretbar. Einen gewissen Grad an Verunglimpfung sollte eine Person des öffentlichen Lebens aushalten. Man kann es allerdings auch übertreiben. Denn die AfD und ihre Anhänger führen die Bundeskanzlerin für so ziemlich alles, was in diesem Land falsch läuft, als Hauptschuldige an. Infantil, larmoyant und einfältig platt heißt es dann: Danke Merkel! Ein Asylant belästigt eine Frau? Danke Merkel! Im Müll stochernde Obdachlose, kurzerhand als „Armutsrentner“ deklariert? Danke Merkel! Ich bin mit mir selbst und meinem Leben unzufrieden? Danke Merkel! Chico biss zwei Menschen tot und wurde eingeschläfert? Danke Merkel! Es ist einfach, stumpfsinnig die eigene Verantwortung an andere abzutreten. Aber wollen wir uns die Vorwürfe einmal genauer ansehen.

Zugegeben, in der Flüchtlingsfrage war Merkel nicht besonders geschickt. Menschen aufzunehmen, die in ihrer Heimat verfolgt werden oder vor Krieg und Elend flüchten, ist nobel. Es zeugt von Empathie, sowie Menschlichkeit und erinnert uns, als reiche, von Waffengeschäften und internationaler Ausbeutung maßgeblich partizipierende Industrienation, an unsere Verantwortung gegenüber den armen Völkern der Erde. Die gesamte Dritte Welt infolge des Syrien-Krieges öffentlichkeitswirksam nach Deutschland einzuladen war hingegen ein Akt linkspopulistischer Hilflosigkeit und ging weit über das Ziel hinaus. Stur wie ein Esel und jeglicher Kompromissbereitschaft entbehrend, verschloss sie sich anschließend einem gesunden Mittelweg und setzte ihren Willen aufgrund einer zweifelhaften Rechtsgrundlage durch. Plan B hatte sie keinen. Das kann man ihr definitiv vorwerfen. Mauern, Zäune und Schießbefehle an der Grenze hingegen sind moralisch unvertretbar.

Sie lösen keine Probleme und sind als dümmlich-xenophobes Wahlkampfgetöse gerade einmal gut genug, um ein paar ungebildete Neonazis, raffsüchtige Egomanen und bierselige braune Stammtischler als Wähler zu gewinnen. Auch die systematische Diffamierung von Gegnern solcher totalitären und barbarischen Maßnahmen als „linksversiffte Gutmenschen“, „Teddybärenwerfer“ und „Deutschlandhasser“ gehen auf das Konto einer massiven rechten Stimmungskampagne durch die AfD. Lobend äußert man sich diesbezüglich über Viktor Orban, nach Ungarn auswandern möchte aber dann doch niemand. Zusammenfassend ist zu konstatieren: Merkel hat in humanitärem Ansinnen, bei unklarer Rechtslage zumindest eigenmächtig über die Flüchtlingsfrage entschieden. Darüber täuscht auch nicht die fadenscheinige Wiedereinführung von aberwitzigen und sinnfreien Pseudo-Grenzkontrollen hinweg.

Und dann gibt es da noch die Armutsrentner, ein unter Rechtspopulisten ebenfalls sehr gerne aufgegriffenes und bis zum Erbrechen instrumentalisiertes Thema. Diese gab es allerdings auch schon vor Merkel und was die AfD bisher an Wohltaten zu deren Genesung vollbrachte, bleibt schleierhaft. Das Problem ist zu vielschichtig und komplex, als dass man einer Person dafür die Schuld zuweisen könnte. Auf politischer Ebene gesehen, kann man jedoch der CDU eine maßgebliche Mitverantwortung anlasten. War es doch Merkels einstiger Parteikollege Dr. Norbert Blüm, der 1986 mit seiner populistischen Erdichtung „Die Rente ist sicher“, als einer der größten Lügner in die deutsche Geschichte eingehen sollte. Mit der anschließenden Rentenreform nahm das Schicksal seinen Lauf und die deutsche Wiedervereinigung sollte ein großes Loch in den Topf reißen.

Die demografisch bedingte Überalterung der Deutschen wurde in der Kalkulation dummerweise übersehen und das von innen heraus verfaulende Rentensystem gleicht mehr und mehr einem Schneeballsystem. Dass der eine oder andere „Armutsrentner“ der großen Lüge aufsaß und infolge dessen keine ergänzende private Vorsorge betrieb oder schlichtweg zu wenig in die Kasse einbezahlte, kommt noch hinzu. Permanent steigende und örtlich zwischenzeitlich unbezahlbare Mieten tun ihr Übriges. Die Aussage „Danke Merkel!“ im Bezug auf die Altersarmut, ist somit mehr entlarvend als informativ und zeugt von mangelnder Sachkenntnis. Zumindest sollte man dann so differenzierend sein, und „Danke CDU!“ sagen. Um zu erkennen, dass Flüchtlinge und Rentner aus völlig unterschiedlichen Geldtöpfen bedient werden, reicht der Intellekt des durchschnittlichen schlichten AfD-Gemüts ohnehin nicht aus.

Eine Partei, die nebenher auch noch allzu gerne auf ehrenamtlich und sozial engagierte Menschen eindrischt, sollte sich hier allerdings in Zurückhaltung üben. Ehrenamt ist bedingungslos und verdient uneingeschränkten Respekt. Eine Lektion in Sachen Anstand und Grundlagen des zwischenmenschlichen Zusammenlebens, bei welcher die AfD wohl ebenfalls geschlafen zu haben scheint. Insofern zählt die vermessene Kritik schmieriger AfD-Patrioten an Helferkreisen in etwa so viel, wie der letzte Schiss einer im heißen Kaffee ersaufenden Obstfliege. Wer aber sollte es besser machen? Sahra Wagenknecht? Zumindest optisch und rhetorisch wäre sie der Kanzlerin um Längen überlegen. Als ehemalige stellvertretende Vorsitzende und Angehörige Der Linken ist sie allerdings als linksextremistisch einzustufen und Extremismus ist immer auf irgendeine Weise kontraproduktiv.

Die Frau wäre sicher als Kanzlerin vorstellbar und vorzeigbar, Die Linke als Regierungspartei dann doch eher weniger. Vielleicht sollte sie zu den Grünen wechseln. Der gesunde Mittelweg scheint derzeit in der deutschen Politiklandschaft vollständig abhandengekommen zu sein. Eines ist so gut wie allen deutschen Parteien gemeinsam: Sie nutzen die Angst als perfide Grundlage ihrer Wählergewinnung. Ob nun die Angst vor Flüchtlingen, die Angst vor sozialem Abstieg oder die Angst vor den einmarschierenden Russen. So bliebe als einzige gangbare Alternative doch nur Die PARTEI mit Serdar Somuncu als Kançler an der Spitze. So weit ist es also schon gekommen. Danke Merkel!

Die Kanzlerfrage

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