Die große Diesel-Verarsche

Diesel-Verarsche

Der Deutsche lässt sich gerne verarschen. Am besten nach Strich und Faden, sowie nach allen Regeln der Kunst. Davon zeugt die jüngste Diesel-Affäre. Diese ist allerdings nur ein Teil der ganz großen Diesel-Verarsche. Die letzten zwei Jahrzehnte hat man uns den Diesel angepriesen und verkauft wie geschnitten Brot. Fortschrittlich, sauber, effizient, langlebig und durchzugsstark sollte er sein. Selbst die Oma, die nur 3000 Kilometer im Jahr fuhr, war stolze Besitzerin eines derart fortschrittlichen Gefährts. Am Ende gab es den Diesel für jeden Geschmack. Ob in der Luxuslimousine, im Kleinstwagen oder für die besonders Sportlichen, im irrwitzigen 350-PS-SUV mit Soundgenerator. Größter Nutznießer dieser Kampagne war die deutsche Autoindustrie. Nun ist er plötzlich böse, ein stickoxid-produzierendes Ungetüm, das aus den Städten verbannt und langfristig von den Straßen verschwinden soll. Zurecht kratzt sich der geprellte Kunde nun am Kopf und fragt sich, was passiert ist.

Wirklich sauber war der Diesel nie. Daran ändert auch die Beigabe von Harnstoff wenig. Es stinkt nur eben nach Urin und nicht mehr nach Ruß. Die ursprünglich in Nutzfahrzeugen eingesetzte Technologie des modernen Diesels war anfänglich längst nicht so ausgereift, wie uns die Autoindustrie glauben machen wollte. Ruckelnde Motoren, Partikelfilter-Regenerationsfahrten, zugesetzte Injektoren und Elektronikprobleme sind nur einige der zahlreichen Auswüchse unausgegorener Ingenieurskunst. Die Technik ist komplex und entsprechend fehleranfällig, die Motoren teils bis zum Exodus hochgezüchtet. Davon profitieren wiederum die Werkstätten. Sobald ein Problem-Diesel außerhalb der Garantiezeit auf den Hof rollt, reibt sich der Blaukittel bereits lachend die Hände. Denn eines ist sicher: Billig kommt der Kunde nicht davon. Ganz ungeniert wird mit existenzbedrohenden Summen jongliert, als seien es Peanuts, während der verzweifelte Fahrer überlegt, wie er die nächste Miete berappen soll. So hat sich die hochgepriesene Kosten-Ersparnis durch den verbrauchsarmen Dieselmotor schnell amortisiert.

Ende des Jahres 2015 kam es dann zum ersten großen Skandal. Ein denkwürdiger Meilenstein im Zuge der Diesel-Verarsche. Ausgerechnet VW hatte seine Kunden mittels manipulierter Abgaswerte betrogen. Die technische Umsetzung war mithilfe einer sogenannten Schummelsoftware erfolgt. Rückrufaktionen und Softwareupdates waren die Folge. Leidtragend war der Kunde, für den das Update zwar kostenlos aber auch verpflichtend war. Das Resultat war der Verlust ein paar teuer bezahlter Pferdestärken, der Umwelt zuliebe. Strafrechtliche Ermittlungen gegen VW-Konzernchef Winterkorn blieben aus und somit wurde Betrug im großen Stil erst richtig salonfähig. Damals zeigten andere Autohersteller wie beispielsweise BMW noch hämisch lachend mit dem Finger auf die böse Konkurrenz. Zwischenzeitlich kam jedoch ans Licht, dass so ziemlich alle betrogen haben. In den USA werden die Betrüger seither mit Klagewellen überzogen, unter durchaus guten Erfolgsaussichten. Hierzulande kann der Betrogene bestenfalls auf ein paar lächerliche Almosen hoffen.

Ohne schlechtes Gewissen kann man die beteiligten Automobilkonzerne als miese Betrüger bezeichnen, die ihre Kunden wohlwissentlich beschissen haben. Da hilft es auch nichts, im Nachhinein zu behaupten, man habe von nichts gewusst. Klar, schuld sind natürlich die anderen. Eigentlich wäre an dieser Stelle der Rechtsstaat gefragt, nun aktiv zu werden. Aber abgesehen von ein paar fadenscheinigen Pseudo-Ermittlungen geschah so gut wie nichts. Man kann schließlich nicht ernsthaft gegen das liebste Kind ermitteln, welches zugleich die fütternde Hand der Regierung zu sein scheint. Erschwerend hinzu kommt, dass der Staat diesen kranken Autobauer-Irrsinn das letzte Jahrzehnt über fleißig mit Milliarden an Steuergeldern subventioniert hat. Also schweigt man die Angelegenheit lieber tot und lässt sie kaltschnäuzig im Sande verlaufen. Unbeeindruckt von einer katzbuckelnden Merkel-CDU, die vor der Autolobby kniend ihr die Stiefel leckt, brachen die Verkaufszahlen ein. Der Ruf der Fahrzeuge war nachhaltig geschädigt und die Diesel-Verarsche konnte in die nächste Runde gehen.

Da sich nach wie vor kaum jemand nennenswert für Hybrid- und Elektrofahrzeuge sowie bis ins Groteske downgesizte, mehrfach aufgeladene Benziner interessierte, stand die kriminelle Autoindustrie vor einem Dilemma. Sie musste sich eine neue Masche einfallen lassen, um den zahlreichen Dieselkunden ihre langlebigen und zwischenzeitlich doch ausgereiften Fahrzeuge abzuschwatzen. Da kam, wie von Geisterhand, eine obskure Organisation namens Deutsche Umwelthilfe rettend herbeigeeilt. In destruktiver Absicht setzte sie gerichtlich die Legitimation von Diesel-Fahrverboten in Städten durch. Hierfür wurden alle Register gezogen und es wurde in hypokritischer Manier ordentlich auf die Tränendrüse gedrückt. Millionen von Toten und Todkranken seien jährlich durch Diesel-Abgase zu beklagen. Wäre der Deutschen Umwelthilfe allerdings wirklich an den ach so bedauernswerten Opfern gelegen, dann hätte sie ihre Energie lieber in eine Klage gegen die internationale Schifffahrt stecken sollen.

Mehrere seriöse Studien belegten bereits, dass die weltgrößten 15 Schiffe die gleiche Emission verursachen, wie 750 Millionen Pkw. Die monströsen Schiffsdiesel sind nämlich dankbarer Verwerter des hochgiftigen Abfallprodukts der Ölindustrie: dem Schweröl. Tonnen davon werden tagtäglich verbrannt und ungefiltert in die Luft geblasen. Während sich nun in Hamburg, auf einem 600 Meter langen Teilabschnitt der Max-Brauer-Allee künftig keine Diesel unterhalb der Urin-Norm 6 mehr bewegen dürfen, freuen sich die Anwohner der umliegenden Ausweichstrecken über einen rasanten Feinstaub-Anstieg. Derweil katapultieren die riesigen Schlote der gigantischen Frachter und Tanker im Hafen von St. Pauli weiterhin unbehelligt die schwarze Pest in die Luft. Spätestens hier wird der gewissenlose und menschenverachtende Aberwitz der großen Diesel-Verarsche sichtbar.

Dass der Diesel-PKW die letzten Jahre tatsächlich im Vergleich zu den Anfangsjahren immer sauberer wurde, dem wird in der Welt profitgetriebener Idiotie keinerlei Bedeutung zuteil. Nicht der Diesel selbst ist das Problem, sondern die schiere und permanent steigende Masse an Fahrzeugen. An dieser Entwicklung hat die maßgeblich partizipierende Autoindustrie einen großen Anteil. Ein auf die Umwelt und seine Kunden scheißender Moloch, welcher der international agierenden Bankenmafia in puncto Skrupellosigkeit in nichts nachsteht. Den, durch den Klageerfolg entstandenen Schaden, trägt also nicht die Automobilindustrie, sondern wieder einmal der Kunde. Das Problem der Feinstaubwerte in betroffenen Straßen wurde nicht gelöst, sondern einfach verlagert. Auf den zu erwartenden Wertverlust eines Diesel-PKW reagierten die perfiden Autohersteller sogleich mit staatlich geförderten Diesel-Prämien.

Als angenehmen Nebeneffekt der Diesel-Verarsche treibt man so gleich noch die Verschuldung der Privathaushalte weiter voran. Nachdem die Deutsche Umwelthilfe so nett war, das Ende der Erfolgsgeschichte der Diesel-PKW einzuläuten, erwartet die stets betrügende Automobilindustrie nun neuen Aufschwung und hat zugleich das Problem der technischen Unlösbarkeit eines stickoxid-freien Dieselmotors vom Hals. Endlich kann sie den Kunden den Schrott andrehen, den jahrelang niemand wollte. Anstatt sich einen angeblich sauberen und kreditfinanzierten Hybrid-Benziner zu kaufen, empfehle ich allerdings die Beschaffung eines Oldtimers mit historischem Kennzeichen. Denn damit darf ein 30 Jahre alter Saugdiesel mit vier Litern Hubraum und ohne Kat, weiterhin völlig legal in die Todeszonen fahren. Urinfrei und ganz im Sinne der Historie.

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