Glückwunsch Frankreich!

Frankreich

Nun ist es amtlich. Frankreich ist der Fußballweltmeister des Jahres 2018 und hat somit nach 1998 den zweiten Titel geholt. Zu dieser verdienten Leistung darf man durchaus gratulieren. Auch wenn ich es den Kroaten gegönnt hätte. Diese haben es weit gebracht, auch wenn der Vize-Weltmeister der Platz des ersten Verlierers ist. Einzig der zelebrierte Nationalismus einiger kroatischer Fans hat genervt. Durch das verfrühte Ausscheiden der deutschen Mannschaft fiel dies natürlich aufgrund mangelnder Präsenz von Deutschlandfahnen noch viel stärker auf. Auch wenn ich Nationalismus für überflüssig und obsolet halte, darf man natürlich den Erfolg seiner Mannschaft feiern. Man kann ja auch einfach ein Anhänger des jeweiligen Teams sein und das hat nicht unbedingt etwas mit der Nationalität zu tun.

Die Frage nach der Nationalität der Spieler einer Nationalmannschaft hingegen stellt man nur in Deutschland. So wurde in braunversifften Stammtischkreisen ausgiebig darüber schwadroniert, dass die deutsche Nationalelf ja in Wirklichkeit gar nicht so deutsch sei und man deshalb vielleicht auch so miserabel gespielt habe. Vonseiten der rechtsnationalen AfD vermag man nun geschmacklos und in rassistischem Ansinnen darüber zu witzeln, dass Afrika Weltmeister geworden sei bzw. es sich um ein Duell zwischen Europa und Afrika gehandelt habe. Welch paradoxer Widerspruch. Damit will man natürlich in gewohnt kruder Weise den hohen Anteil dunkelhäutiger Spieler in der französischen Équipe Tricolore anprangern. Als ob dies etwas Schlechtes sei. Nicht nur, dass die Urheber dieser Aussage damit ihren xenophoben Hass zur Schau stellen, vor allem jedoch ihre Unkenntnis über die französische Geschichte auf peinliche Art offenbaren.

Dabei prahlt man in AfD-Kreisen doch so gerne damit, eine „Partei der Akademiker“ zu sein, die ja überwiegend von gebildeten Menschen unterstützt würde. Vielleicht mögen einige der Leistungsträger in der französischen Mannschaft tatsächlich afrikanische Wurzeln haben, dennoch sind sie Franzosen. Daran ändert auch die Hautfarbe nichts. Genauso, wie ein Boateng Deutscher ist, mag man von seiner Person halten, was man will. Wer anderen aufgrund ihres Teints oder ihrer Abstammung die Nationalität absprechen will und sie deshalb als Afrikaner bezeichnet, ist ein Rassist. Der Fauxpas liegt alleine schon in der pejorativen Verwendung des Begriffes „Afrikaner“. Rechtsradikale Misanthropen und Faschisten können sich verstellen wie sie wollen und ihre Gesinnung noch so hart leugnen; sie werden sich immer durch ihren plumpen Sprachgebrauch selbst entlarven.

Letztendlich ändert auch dies alles nichts an einer Tatsache: Frankreich ist Weltmeister, während Deutschland in der Vorrunde ausschied. Überhaupt war diese WM so anders als ihre Vorläufer. Nicht nur deshalb, weil sich der politische Außenseiter Russland als guter und fähiger Gastgeber präsentieren konnte. Wie kein anderes schien dieses Turnier von exzentrischen Memmen dominiert zu werden. Das Bild profilneurotischer Star-Spieler, die sich auf dem Platz wie kleine Kinder benahmen und sich viel mehr durch Unsportlichkeit als durch Leistung inszenierten, zog sich durch alle Runden. Während früher überwiegend gestandene Männer um die sportliche Ehre kämpften, scheint der Weltfußball langsam zur Domäne unmännlicher Weicheier zu verkommen.

Selbst ein eigentlich spielstarker Griezmann erinnerte mehr an einen weinerlichen und durch theatralische Schwalben glänzenden Buben als an einen erwachsenen Mann. Frauenfußball ist da weit männlicher. Eine der wenigen Ausnahmen bildete hier wieder das kroatische Team. Leidenschaftlicher und bewegungsintensiver Fußball, sowie ein spürbarer Zusammenhalt unter den Spielern machten diese Mannschaft aus. Auch ein Rückstand reichte nie wirklich aus, um diese tapferen Kämpfer zu entmutigen. Jeder Sieg war eine reine Teamleistung und nicht die Errungenschaft einzelner Stars. Deshalb haben sie wohl auch Deutschland den Titel des „Weltmeisters der Herzen“ abgerungen. Da kann selbst Weltmeister Frankreich nicht mithalten. Aber im Sport gewinnt nun mal nicht die Sympathie, sondern schlicht der Bessere.

Die WM 2018 in Russland

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