Nationalstolz und Patriotismus

Nationalstolz

Am 21. September jährt sich der Todestag von Arthur Schopenhauer zum 158. Mal. Grund genug, sich ein wenig mit dem Thema Nationalstolz zu befassen.

Früher war ich auch so ein dummer Nationalist. Stolzer Deutscher, patriotisch bis aufs Blut, rechtslastige Stammtischparolen wiederkäuend, bei der Fußball-Weltmeisterschaft fleißig die Nationalflagge schwenkend. Völkisch, vaterländisch, xenophob. Voller Naivität die Ansicht vertretend, etwas Besseres zu sein, als der Rest der Welt. Doch eines Tages holte mich der Verstand ein und mit ihm kam auch die Einsicht. Ich begann, dieses elende und nutzlose Treiben meiner selbst zu hinterfragen. Und zum Glück hat jeder jederzeit die Möglichkeit, etwas zu ändern. Seine Einstellung zu ändern. Dazuzulernen. Oder überhaupt etwas zu lernen. Heute ist mir klar, dass in einer sich immer weiter globalisierenden Welt, der Nationalstolz obsoleter ist, denn je.

Je mehr ich von der Welt sah, je mehr ich mit Menschen sprach, je mehr ich mich öffnete und in fremde Kulturen eintauchte, umso stärker wurde mir der Stumpfsinn dieser nationalistischen Ideologie bewusst. Über seine eigene Sprache erfährt man erst etwas, wenn man eine andere erlernt. Genauso verhält es sich mit kulturellen Hintergründen und allem anderen. Nationalstolz hat immer etwas mit Nationalismus zu tun. Und dieser klingt schon so ähnlich wie Nationalsozialismus. Im Grunde ist er nur eine abgemilderte Form dessen. Wohin der Nationalsozialismus führt, hat die Vergangenheit hinreichend gezeigt. Er konnte sich nur deshalb so gut etablieren, weil alle so schön mitgemacht haben. Für mich kein erstrebenswertes Szenario. Also weg damit.

Warum sollte ich auf etwas stolz sein, zu dem ich selbst nicht das Geringste beigetragen habe? Genauso gut könnte ich stolz darauf sein, eine Kackwurst in die Kloschüssel abgesondert zu haben. Zumindest wäre ich an diesem Schaffensprozess noch aktiv beteiligt gewesen. Schon der gute alte Arthur Schopenhauer war sich dieser Tatsache bewusst und würdigte sie mit einem Zitat, das bis heute nicht einen Hauch an Bedeutsamkeit verloren hat. Im Gegenteil, es ist aktueller denn je:

Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.

Wiglaf Droste, deutscher Journalist und Schriftsteller bringt es etwas knapper, aber nicht weniger treffend auf den Punkt:

Wer sonst gar nichts hat, der hat doch ein Vaterland. Patriotismus ist die Religion der ganz armen Schweine.

Nationalismus und Patriotismus sind nicht nur die Vorstufe zum Rassismus, sondern sie beinhalten diesen bereits. Dazu äußert sich der Künstler und Ärzte-Sänger Farin Urlaub folgendermaßen:

Solange es Leute gibt, die nichts können, nichts wissen und nichts geleistet haben, wird es auch Rassismus geben. Denn auch diese Leute wollen sich gut fühlen und auf irgendwas stolz sein. Also suchen sie sich jemanden aus, der anders ist als sie, und halten sich für besser. Oder sie sind bekloppterweise stolz darauf, deutsch zu sein, wozu keinerlei Leistung ihrerseits nötig war.

Im Grunde ist damit alles gesagt und kaum noch etwas hinzuzufügen. Heimatverbundenheit ja, Nationalstolz nein. Natürlich bin ich Deutscher, aber in erster Linie bin ich Mensch. Mein Zuhause ist die Welt. Dem Risiko, nun endgültig als Vaterlandsverräter und Deutschlandhasser zu gelten, sehe ich gelassen entgegen.

In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat.

Carl von Ossietzky

Im Übrigen gilt diese Erkenntnis für alle Nationen gleichermaßen. Denn Nationalismus ist kein deutsches, sondern ein globales Problem, welches auf dem gesamten Planeten immer wieder zu blutigen Konflikten, Kriegen und Massenmorden führt.

Die Deutschen zu loben? – Dazu würde mehr Vaterlandsliebe erfordert, als man nach dem Lose, welches mir geworden, billigerweise von mir verlangen kann.

Arthur Schopenhauer

Wer ungebildet ist und noch nichts von der Welt gesehen hat, für den wird es ein Leichtes sein, unbemittelt und geistlos die Fahne schwenkend, durch die Straßen zu stapfen. Je weiter er allerdings die Augen öffnet und umso mehr er von seinem Verstand Gebrauch macht, desto schwerer wird ihm dies fallen.

Nationalstolz und Patriotismus

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