Der Tod der Sprache

Tod der Sprache

Wer meine Texte kennt, dem wird eines bereits seit Längerem bewusst oder unbewusst aufgefallen sein: Ich verzichte auf das sprachliche Gendern als Standardschreibweise. Nicht aus Unwissenheit oder Unfähigkeit, nein. Ich tue es rein vorsätzlich. Und das wird auch so bleiben. Feministische Sprachkritik hat für mich keinerlei Relevanz. Das autoritative Gendern ist der Tod der Sprache.

Darüber hinaus ist es absolut unnötig. Themen wie Gleichberechtigung lassen sich nicht über das Umgestalten der Sprache lösen. Das ist ein falscher Ansatz. Nur weil man ein Problem anders bezeichnet oder es sprachlich tilgt, verschwindet es nicht. Hinzu kommt, dass es eben so viele Grundformen im Femininum gibt, mit denen Männer automatisch mit bezeichnet werden. Darüber spricht nur niemand. Das Deutsche ermöglicht es bereits, ein maskulines Substantiv jederzeit ins Femininum zu setzen und das weibliche Geschlecht damit explizit hervorzuheben. Sofern dies wichtig oder dem Kontext dienlich ist, spricht nichts dagegen. Beispielsweise klingt „Frau Bundeskanzlerin“ viel treffender, als „Frau Bundeskanzler“.

Problematisch ist allerdings der inflationäre Gebrauch des Genderns. Hier wird permanent und zwanghaft das biologische Geschlecht in den Fokus gerückt, sei es auch noch so irrelevant. Der informative Charakter des Deutschen wird somit durch einen wertenden verdrängt. Auch der in einigen Fällen berechtigte Grundgedanke, der masuklinen Genusform anhaftende, patriarchal geprägte Bilder zu neutralisieren, wird dadurch ad absurdum geführt.

Die Folgen des Genderns reichen tiefer als gedacht

Die Begründerin der feministischen Sprachbewegung, Luise Pusch, äußerte sich einst entlarvend, schwadronierte von einem „Gynozid durch die Sprache“ und bezeichnete das Maskulinum als „Schwund- oder Kümmerform“. Das Femininum hingegen sei „zu schade, um damit Schwanzträger zu bezeichnen“. Weiter ist von einer notwendigen „kompensatorischen Gerechtigkeit“ die Rede. Kritiker werden schablonisiert und bedenkenlos mit Nazis gleichgesetzt.

Die Frage ist, ob wir es solchen Fanatikern widerstandslos überlassen sollten, unsere Sprache auf der Basis pauschaler Dämonisierung des männlichen Geschlechts zu verunstalten. Die Thematik ist keinesfalls gleichzusetzen mit der der emanzipatorischen Ächtung und dem damit verbundenen Austausch diskriminierender Begriffe. Es geht um einen fundamentalen Eingriff in die deutsche Sprache. Den Vergewaltigerinnen unseres wichtigsten Kommunikationsmittels scheint nicht im Ansatz klar zu sein, was sie damit anrichten.

Oder aber es ist von ihnen bewusst gewollt, was nur noch mehr von ihrer destruktiven Dummheit und ihrer heuchlerischen Doppelmoral zeugen würde. Es drängt sich der Eindruck auf, als würden tausende Jahre Sprachentwicklung zur Befriedigung einer hasserfüllten und sich ewig benachteiligt fühlenden Minderheit der Bedeutungslosigkeit preisgegeben. Das Ergebnis ist eine linguistische Perversion in Reinform, die unfähig ist, sich in das bestehende Grammatiksystem einzufügen.

Die Umsetzung ist unausgegoren und von Misandrie durchsetzt

Würde die fanatische Bewegung ihre orthografisch, grammatikalisch und moralisch inkorrekte Abart der pathologisch entpatrifizierten Sprache verwenden, um untereinander zu kommunizieren, wäre das ja völlig in Ordnung. Aber das reicht dieser verbitterten Fraktion nicht. Sie müssen der Allgemeinheit ihre vermeintlich politisch korrekte Weltanschauung, die in Wahrheit nichts als sexistisch ist, um jeden Preis aufoktroyieren. Und so wird das generische Maskulinum auf paradoxe und bevormundende Weise zum Feindbild erklärt, das erbittert bekämpft werden muss. Daraus resultierende, unvermeidliche und stümperhafteste Grammatikfehler, werden kurzerhand zur Norm erhoben.

So gesehen ist das maßlose Gendern ein Verbrechen an der Sprache, eine sinnlose Entstellung, eine brutale Verstümmelung. Ob nun in der zwanghaften Doppelnennung, im Binnen-I, im Schrägstrich, im Gendersternchen oder in substantivierten Partizipien: Gewaltsam wird eine modellierte Schönheit völlig widersinnig in eine hässliche Fratze des extremistischen Emanzentums verwandelt.

Für die Kosten hat die Allgemeinheit aufzukommen

Dieser Spaß ist nicht nur nicht schön, sondern nicht einmal billig. Ganze Institutionen setzen sich mittlerweile mit diesem Thema auseinander und Legionen von sprachlichen Genderbeauftragten setzen ihre artifiziell geschaffene Daseinsberechtigung rigoros durch. Als Basis dieser unwissenschaftlichen Umgestaltung dient die angebliche strukturelle Benachteiligung der Frauen, welche allerdings auch ohne sprachliche Verbiegungen in unserer modernen Gesellschaftsform immer obsoleter wird. Daraus entspringen widersprüchliche Genderleitfäden, die jeglicher fundierten Form der Kritik entbehren. Die immensen Kosten für den so geschaffenen Tod der Sprache werden dem Steuerzahler auferlegt. Somit haben Luise P. und ihre Mitstreiter die Gesellschaft bereits maßgeblich geschädigt.

Die Folge ist systematische Ressourcenverschwendung in einem Ausmaß, das weit davon entfernt ist, gesunde Züge zu besitzen. Studierende, Beamte, Politiker, Juristen oder Personalsachbearbeiter können sich dem Tod der Sprache kaum noch entziehen. Selbst Schulkinder werden zwischenzeitlich mittels aufgezwungenem gendersensiblen Sprachgebrauch indoktriniert. Für sie ist die belastende Obliegenheit des sprachlichen Genderns längst Alltag geworden.

Dabei führt diese nicht nur zu grammatikalischen Verwerfungen und Sinnenstellungen, sondern ist gemäß Duden auch noch schlicht falsch. Ganz zu schweigen vom erschwerten sinnerfassenden Lesen, was für einen Nicht-Muttersprachler schnell in einem Fiasko endet. Wer sich dem Irrsinn verweigert, muss damit rechnen, benachteiligt und schikaniert zu werden, ungeachtet dessen, dass er sich am real existenten Regelwerk der deutschen Sprache orientiert. Dadurch wird dieses auf erschreckende Weise in seinen Grundfesten erschüttert.

Ideologisierung als Kern des sprachlichen Genderns

Die despotisch auftretende Ideologie der feministischen Linguistik macht die Sprache umständlich, unpräzise und beraubt sie ihrer Schönheit. Trotz fortschreitender staatlicher Erzwingungsmechanismen ist sie in der gesprochenen Sprache beim gemeinen Volk bislang kaum von Bedeutung. Das öffentliche Sprechen hingegen verkrampft sich zusehends und kulminiert in degenerierten Wortkreationen wie „Kinderinnen“.

Nichts als ein Ausdruck der puren Verzweiflung und Hilflosigkeit gegenüber des Willens einer Minorität, die in manipulativer Manier von einer massiven gesellschaftlichen Benachteiligung der Frauen fabuliert, welche sich im Sprachgebrauch niederschlage. Frauen seien nur „mit gemeint“, weniger sichtbar, gar offenkundig untergeordnet. Um diesen erfundenen Missstand zu beheben, bedürfe es einer sprachlichen Reform, die in der Realität nichts anderes als eine Umerziehung, hin zu einem veränderten sozialen Bewusstsein bedeutet.

Von Ideologisierung spricht allerdings auch die AfD, die das Thema auf gewohnt plumpe Weise für sich aufzugreifen versucht und das Gendern bzw. den „Genderwahnsinn“ strikt ablehnt. Nur scheint man dort weniger um die Ästhetik und grammatikalische Korrektheit der Sprache besorgt zu sein. Hier steht die bewusste Ausgrenzung von Homosexuellen und Transgendern, sowie der Erhalt des „klassischen Frauenbildes“ im Vordergrund. Von derartigem Gedankengut distanziere ich mich ausdrücklich.

Die Sprache wird durch inflationäres Gendern instrumentalisiert

Eine ethische Debatte wird auf etwas umgelegt, das eigentlich unantastbar und nur natürlichen Änderungen unterworfen sein sollte. Eine ganze Sprache umzubauen, um sie zum Transport einer Weltanschauung instrumentalisieren zu können, ist gefährlich und vermag fast zwangsläufig an ähnlich gelagerte Handlungsweisen aus finsteren Epochen der deutschen Geschichte zu erinnern. Um die Freiheit des Ausdrucks wird so lange lieblos das Gender-Korsett geschnürt, bis der Druck auf den Darm zum Unausweichlichen führt.

Was bleibt, ist eine verkrüppelte Sprache voller Buchstabensalat, künstlich generierter Grammatikfehler, zur Flexion unfähigen Fantasiewörtern, nicht mehr anwendbaren Redewendungen und verschwindenden geschlechtsneutralen Gattungsbegriffen. Erschwerend hinzu kommt eine erzwungene geschlechtsneutrale Art des Formulierens, die sogar noch gegenläufig zum angestrebten Pathos des weiblichen Geschlechts stattfindet.

Die Befürworter dieser Bewegung sind derart blind in ihrem Entpatrifizierungswahn, dass sie bereit sind, ohne jeden Skrupel sprachlichen Reichtum zu vernichten. Das generische Maskulinum wird als erkorenes Hassobjekt neurotisch abgelehnt, obwohl es Männer und Frauen gleichberechtigt bezeichnet. Es scheint gar, als litten die Urheber dieser radikalen Bewegung an absolutem Realitätsverlust. Von Animosität getriebene Dilettantinnen, die nicht einmal in der Lage zu sein scheinen, den rein grammatikalischen Genus vom Sexus zu unterscheiden.

In ihrer offensichtlichen Begriffsinkompetenz übersehen sie, dass das generische Maskulinum auch Gesamtheiten beschreibt, ohne jegliche Aussage über das Geschlecht. Wenn dadurch überhaupt jemand diskriminiert werden könnte, dann wohl doch am ehesten die Männer, da das Deutsche so gesehen keine eigens reservierte Form für sie bereit hielte.

Der Tod der Sprache kann abgewendet werden

Es ist daher an der Zeit, die Notbremse zu ziehen und dem Verfall im deutschen Sprachgebilde Einhalt zu gebieten. Maßnahmen gegen den Tod der Sprache sind unabdingbar, Widerstand wird hier zur Pflicht. Wir sollten klar Stellung beziehen und uns demokratisch gegen die neue Dimension der verordneten Sprachpolitik wehren. Wenn man das gesamte unnütze und unökonomische Brimborium um das Gendern der deutschen Sprache betrachtet, fragt man sich fast notgedrungen, was Außenstehende wohl darüber denken mögen. Im Ungarischen oder im Türkischen beispielsweise existieren weder ein grammatikalisches Maskulinum, ein Femininum, noch ein Neutrum. In diesen Sprachen gibt es keinen Genus. Ob Frauen in besagten Ländern deshalb die Ekstase der bedingungslosen Gleichstellung zuteilwird, lasse ich an dieser Stelle offen.

Das verdeutlicht bereits, wie sinnlos, irreführend und typisch deutsch die ganze Diskussion doch ist. Das erzwungene Gendern als Standardschreibweise bleibt aus meiner Sicht also auch in Zukunft nichts als unbrauchbar, nur mangelhaft praktikabel und unästhetisch.

Tod der Sprache durch das Gendern

View Results

Loading ... Loading ...