Jauche bis zum Exitus

Jauche

Der Frühling hält Einzug. Die Temperaturen steigen, die Tage werden länger und auf deutschen Feldern stinkt es wieder nach Scheiße. Nicht, dass der Winter die Bauern vom Ausbringen der Gülle abhalten würde, aber die Kälte hält den penetranten Gestank zumindest etwas im Zaume. Diese Unart der umweltschädlichen Entsorgung von Tierexkrementen, nimmt in den letzten Jahren immer mehr überhand. Ursächlich sind eine lasche Gesetzgebung, der krankhafte bäuerliche Egoismus und der turbokapitalistische Wachstumswahn. Letzteres äußert sich darin, dass trotz sinkendem Fleischkonsum in Deutschland, hierzulande immer mehr Fleisch produziert wird. Das Argument, dass die Jauche den Ertrag steigern solle, zählt schon lange nicht mehr. Denn wie bei allem macht die Dosis das Gift.

Die Grenze des Erträglichen ist längst überschritten und es ist kein Ende in Sicht. Explodierende Nitratwerte im Grundwasser, veralgte Seen und Artensterben sind die Folgen. Den Landwirten ist das egal, solange der Rubel rollt. Einzig der Profit zählt, besonders wenn man sich obendrein noch in dummdreister Manier als zertifizierter Biobetrieb verherrlichen kann. Konfrontiert man die ruchlosen Verursacher mit den Resultaten ihrer krankenden Geschäftsstrategie, erhält man für gewöhnlich nur postfaktisches Gegrunze zur Antwort. Vor sachlicher und sozialer Inkompetenz strotzend, weist man jegliche Schuld entschieden von sich. Dem vernunftbegabten Diskussionsgegner drängt sich der Verdacht auf, dass übermäßiges Inhalieren der angeblich so gesunden Landluft zu akutem Hirnschwund führen muss. Was an giftigen Ammoniakausdünstungen gesund sein soll, wird wohl ohnehin für immer ein Geheimnis der obskuren Schöpfer dieses schwachsinnigen Gerüchts bleiben.

Die Bauern waschen ihre Hände grundsätzlich in Unschuld

Im Sumpf der sozialökologischen Inkompetenz gilt eine uringoldene Regel: Der Bauer ist grundsätzlich nie an etwas schuld. Selbst wenn die Bewohner von geplagten Gemeinden wieder einmal ihr Leitungswasser abkochen müssen oder Kubikmeterweise Chlor in die Trinkwasserreservoirs gepumpt wird, hat dies natürlich gänzlich andere Ursachen. Man verliert sich in einem wirren Netz aus propagierter Unwahrheit und fadenscheinigen Ausflüchten. Da werden auch gerne mal Hundebesitzer oder inkontinente Senioren, die die Notdurft beim windelfreien Spaziergang über das Feld nicht mehr halten konnten, als Schuldige präsentiert. Bei etwaiger Kritik wird rotbackig aufgeblasen nicht nur materiell, sondern auch verbal mit Fäkalien um sich gespritzt. Mangelnde Artikulationsfähigkeit scheint neben Gier und Skrupellosigkeit das Hauptdefizit der Vertreter dieser Gruppe zu sein.

Zur Beruhigung des sonnigen Gemüts, kippt sich der umweltverpestende Heuchler nach gekonnter Abfertigung seiner Gegner, erst einmal eine Maß Bier in den inzestuösen Schädel. Ein Gewissen gibt es mangels Existenz ja nicht zu beruhigen. Schließlich hat es der Vater ja schon so gemacht und dessen Vater vor ihm. Politik und Obrigkeit stehen diesem Untreiben tatenlos gegenüber. Stattdessen wird mit den Übeltätern am Stammtisch über die Vorteile des Wegsehens und der Vetternwirtschaft sinniert. Sie lassen sogar noch zu, dass Gülletouristen aus den Nachbarländern den stinkenden Müll jenseits ihrer Grenzen in deutschen Landen abladen. Diese, gegen das Kassieren von Entgelt importierte Jauche, wird dann auf Kosten der Allgemeinheit bei Wind, Wetter und geschlossener Schneedecke, teilweise verbotswidrig auf Felder und Wiesen gekippt, denn ernsthafte Konsequenzen drohen ja ohnehin keine. Während die Bevölkerung bei der Körperhygiene auf gechlortes Nitratwasser angewiesen ist, wäscht der ehrbare Landwirt seine Hände in Unschuld.

Den Preis für den Jauche-Wahnsinn bezahlt die Allgemeinheit

Und wenn dem Fischereiverein seine eingesetzte Brut in den Bächen verreckt, bleibt es doch alleine sein Problem. Dann gibt es statt Forelle zum Abendtisch, eben ein abgepacktes Schnitzel aus Jauche-triefender Massentierhaltung. Sich aus der Verantwortung zu stehlen, avanciert zur Patentlösung auf alle unbequemen Fragen und die Umweltsäue gewinnen somit gleich doppelt. Aus meiner Sicht kann es hier nur einen gangbaren Lösungsweg geben. Eindämmung des exzessiven Fleischkonsums; Hier liegt die Macht beim Verbraucher. Ein gesetzliches Verbot von Gülle-Importen, strengere Reglementierung der unsäglichen Jaucherei, so wie die Einführung drakonischer Strafen bei etwaigen Verstößen. Da die angeblich so armen Bauern in Wahrheit stinkreich sind, nützen Geldstrafen hier wenig. Berufsverbote, Enteignungen und Haftstrafen wären als probates Mittel anzusehen. Beschränkung und Sanktionierung von Fleischexporten sind ebenfalls zur Eindämmung des Wahnsinns notwendig. Bis zur Umsetzung dieser unumgänglichen Maßnahmen werden wohl weiterhin etwa 200 Millionen Kubikmeter Jauche jährlich, in seelenloser Manier in die Umwelt geschleudert. Tendenz steigend.

Jauche
Auf frischer Tat ertappt: Ein oberbayerischer Bauer bringt verbotswidrig Jauche auf geschlossener Schneedecke aus.

Jauche bis zum Exitus

View Results

Loading ... Loading ...