Anti-Werbung

Anti-Werbung

Normalerweise soll Werbung dafür sorgen, dass ein Produkt oder eine Dienstleistung sich in das Gedächtnis potenzieller Kunden brennt. Das Ansinnen hierbei ist, das entsprechende Erzeugnis bekannt zu machen und bei der anvisierten Zielgruppe ein Kaufbedürfnis zu erwecken. Soweit, so logisch. Allerdings gibt es einige Unternehmen, die sich hierbei in besonders unrühmlicher Weise hervortun und dabei die möglichen Klienten bereits im Vorfeld mit penetranter Anti-Werbung vergraulen. Ist die Werbung nämlich zu schlecht, zu nervig oder schlichtweg zu verblödend, tritt genau das Gegenteil des gewünschten Effekts ein. Es gibt eine ganze Litanei an Produkten, die ich niemals konsumieren werde, einfach nur, weil mir die Werbung dafür tierisch auf den Sack geht. Den Schlimmsten möchte ich mich hier heute widmen.

Carglass

Das Geschäft mit der Angst lässt sich einfach gut vermarkten. Dieser perfiden Masche bedient man sich auch bei Carglass. Von zwanghaft selbstherrlichem Geschwätz untermalt, werden minimalste Steinschläge zu gigantischen Rissen in der Autoscheibe stilisiert. Dramatisierend wird als vermeintliches Opfer eine reisende Familie mit Kindern instrumentalisiert, die schließlich in den rettenden Carglass-Hafen einläuft. Natürlich nicht, ohne die fügsam abgerichteten Kinder währenddessen den bescheuerten Slogan abspulen zu lassen. Mit glanzweißer Kauleiste gibt ein dicklicher und minderbegabt wirkender Mitarbeiter, völlig unauthentisch, seinen mühsam auswendig gelernten Text zum Besten. Selbstgefällig wird über die angeblichen Vorteile schwadroniert, die der Kunde nur bei Carglass erhalte, als habe man die Wahrheit für sich gepachtet.

Nach sich endlos wiederholender Selbstinszenierung ist man schließlich am Höhepunkt angelangt. In gleichklingender Hochstaplermanier repariert man den bösen Steinschlag, als würde man das Rad neu erfinden. Nachdem man ganz nebenbei noch beschränkt polemisierend jegliche etwaige Konkurrenz schlecht gemacht hat, geht man zum Finale des Stumpfsinns über. Die Weisheit mit dem Löffel gefressen, gibt man dem geldbeutelzückenden Familienvater mit überspitzt großzügiger Geste zu verstehen, dass man nicht auf seine Almosen angewiesen sei, da ja schließlich die Versicherung bezahle. Die für die fachgerechteste und einzig wahrste Steinschlagreparatur aller Zeiten veranschlagten Wucherpreise, verschweigt man bei dem ganzen Theater natürlich gekonnt.

Stattdessen wird zum gefühlt hundertsten Mal der selbstbeweihräuchernde Werbespruch wiederholt. Selbst wenn ein Findling in meiner Frontscheibe einschlagen würde, brächten mich keine zehn Pferde auch nur in die Nähe dieses grauenvoll nervtötenden Ladens. „Reparieren und austauschen“ sollte die Firma Carglass lieber in der Marketingabteilung.

imakeyousexy DOT com

Hier wird ein Abnehmprogramm beworben, welches offensichtlich an unterbelichtete Sozialhilfe-Empfänger mit Bierbauch oder von Minderwertigkeitskomplexen geplagte Hausfrauen adressiert ist. Anders lässt es sich nicht erklären, dass sich als werbetragende Figur der Z-Promi gleich selbst auserwählt hat. Der ist so weit von sexy entfernt, wie der Galaxiehaufen Abell 2218 von der Erde. Detlef D! Soost, dessen Silhouette an das erigierte Glied eines Mannes erinnert, maßt sich an, das vermeintliche neue Schönheitsideal zu definieren. Blöd grinsend, mit grobschlächtiger Arroganz durchtränkt, will man in dieser Anti-Werbung der Welt seine kranke Definition von „sexy“ aufzwingen und trägt damit bewusst zu einem oberflächlichen und ausgrenzenden Gesellschaftsbild bei.

In einem weiterführenden Video setzt sich der Macher dann großspurig als sogenannter „Botschafter“ in Szene und führt, bäuchlings auf einer Isomatte zappelnd eine lächerlich anmutende Übung vor, die an einen epileptischen Anfall erinnert. Nach nur wenigen Wochen soll man dank dieser grandios unseriösen Schöpfung angeblich ein Sixpack bekommen, den Haarausfall gibts wahrscheinlich gratis mit dazu. Ich hingegen empfehle den Weg zur nächstgelegenen Tankstelle, denn dort bekommt man ein Sixpack sofort und das zu einem Bruchteil vom Preis. Alleine der Gedanke, nach Vollendung dieses Programms auszusehen wie diese nervende Jammergestalt, sollte eigentlich Abschreckung genug sein.

Wer trotzdem so aussehen aber nichts bezahlen möchte, dem empfehle ich Folgendes: Den exzessiven Einsatz eines Langhaarschneiders, mehrfach mit dem Gesicht gegen die Wand laufen und sich anschließend kräftig einölen. Eine Überdosis Alkohol sollte auch das Sprachzentrum auf das Niveau eines Detlef D! Soost bringen und das Gesamtbild somit abrunden. Von diesem Angebot werde ich wohl kaum Gebrauch machen, fühle ich mich doch auch so bereits sexy genug.

Seitenbacher

Tja, wer kennt ihn nicht, den Mann von der penetranten Seitenbacher-Werbung aus dem Radio. Sein größtes Glück besteht vermutlich darin, dass niemand weiß wie er aussieht und wo er wohnhaft ist. Sonst hätte ihm mit Sicherheit schon jemand vor seiner Haustür eine schwer verdauliche Ladung Blei zugeführt. Gebetsmühlenartig malträtiert er Gehör und Geist mit dem einfallslosen Seitenbacher-Slogan, welchen er in dümmlich-schwäbischem Dialekt bis zum Erbrechen wiederkäut wie ein Schwachsinniger. Vermutlich ist er das auch, denn wer sich in solch plakathaft verdummender Art als Werbesprecher prostituiert, lässt nur die Schlussfolgerung zu, dass er einen an der Waffel hat. Wenn das Radio in greifbarer Nähe ist, kann man es zumindest noch reflexhaft ausschalten oder den Sender wechseln.

Als mental gefolterter Zwangskonsument dieser unsäglichen Absonderung, empfindet man es jedes Mal als Erlösung, wenn die Qual endlich vorüber ist. Offenbar wohlwissend hierüber, setzt der perfide Seitenbacher-Schwachmat noch mal nach und erbricht abermals seinen gehaltlosen Sermon. Ich habe eine dunkle Vorstellung davon, wie viele Menschen bereits das Autoradio aus der Konsole gerissen oder das Tischradio mit der Faust bearbeitet haben mögen. Ein klarer Fall von Anti-Werbung, denn ein Produkt aus dem Hause Seitenbacher habe ich noch nie gekauft und werde ich auch niemals kaufen. „Des Müsli von de Seitenbacher“ kann sich dessen Hersteller getrost dem eigenen Anus zuführen.

Check24

Hier wird vornehmlich im Fernsehen in plumpster und schändlichster Weise für ein Vergleichsportal geworben. Diese unerträgliche Anti-Werbung wird auf derart schädliche und ekelerregende Art vorgetragen, dass sie in puncto Dummheit kaum mehr zu überbieten ist. Im Stil einer Sitcom wird eine Familie dargestellt, deren Mitglieder ganz offensichtlich an einer schweren geistigen Behinderung zu leiden scheinen. Davon zeugen die überaus platten und geisttötenden Dialoge, die man zudem absichtlich so wirken lässt, als seien sie nachsynchronisiert worden. Genauso gut hätte man stattdessen eine Affenfamilie darstellen können, denn diese würde immerhin noch über so etwas wie ein menschenähnliches Sozialverhalten verfügen. Auch das Artikulationsvermögen wäre bei den Affen wesentlich besser ausgeprägt.

Die sekkanten humanoiden Schaben der Check24-Familie hingegen verlieren sich aufdringlich in primitivstem und von Fantasielosigkeit geschwängertem Gerotze. Wie bei einem platzenden Güllefass, springt einem der Schwall dünnflüssiger Exkremente aus der Mattscheibe entgegen. Da muss man sich ernsthaft fragen, für wie blöd die Macher dieses gestörten Erzeugnisses ihre Zielgruppe wohl halten mögen. Der Bodensatz der Marketingbranche, mutmaßlich bestehend aus talentfreien Halbprimaten mit abgebrochenem BWL-Studium und auf LSD, scheint hier ganze Arbeit geleistet zu haben. Aufgrund dieses krankhaften und abstoßenden Aushängeschilds der vorsätzlichen Verdummung, würde ich mir lieber einen Finger abschneiden, als die Dienste dieses Portals in Anspruch zu nehmen.

Anti-Werbung: Fazit

Eines hat die aufgeführte Anti-Werbung in allen Fällen gemeinsam: Aufgrund ihrer dummdreist-verblödenden Wirkung, zwingt sie den gesunden Verstand unweigerlich zum Boykott der beworbenen Produkte.

Welche Anti-Werbung ist die Schlimmste?

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