Die Tierfundamentalisten

Tierfundamentalisten

Jüngst trieb die finale Abschaltung einer Beißmaschine und deren anschließende fachgerechte Entsorgung, gefühlt die halbe Republik um. Hier zeigte sich einmal mehr das erschreckende Ausmaß deutschen Kleingeistes. Die Rede ist von einem Hundevieh namens Chico. Zeitungen und Onlinemagazine berichteten teilweise mehrfach täglich über den unsäglichen Vorfall und die selbst ernannten Tierschützer bzw. Tierfundamentalisten liefen Sturm. Facebook-Diskussionen und Internetforen platzten innerhalb kürzester Zeit vor majestätischer Larmoyanz, Mahnwachen wurden abgehalten und es wurde beleidigt, bedroht sowie zu Straftaten aufgerufen. Den Höhepunkt der idiotischen Überspanntheit bildete schließlich eine Online-Petition, die von fast 300.000 Menschen unterzeichnet wurde. Würde sich ein Außenstehender zu Gemüte führen, welch Aufhebens hierzulande wegen einer beißwütigen Töle gemacht wird, müsste dieser notgedrungen den nationalen Geisteszustand der Deutschen infrage stellen.

Tierschutz in Ehren, aber man kann es auch übertreiben. Wenn irgendwo in Afrika Kinder verhungern, oder Menschen bei der Flucht über den Ozean jämmerlich ersaufen, dann kümmert es in der Regel keine Menschenseele. Ein kleiner Zeitungsartikel am Rande und ein paar pflichtschuldige Bekundungen der Bestürztheit sind in diesem Fall das Höchste der Gefühle. Wen interessiert schon das Schicksal von ein paar Andersfarbigen auf einem fremden Kontinent. Aber wehe, es geht um einen Hund, da werden ohne zu überlegen, sofort schwerste Geschütze fernab jeglichen gesunden Menschenverstandes aufgefahren. Denken scheint ohnehin nicht gerade die Stärke dieser sogenannten Tierschützer zu sein. Blindwütig wird alles, was ein Fell und Fangzähne hat, auf einen Sockel gehoben. Wie ihre Kläffer scheinen diese Soziopathen lediglich über eine rudimentäre Gehirnfunktion zu verfügen.

Dafür aber ist der Beißreflex umso ausgeprägter. Jegliche Form von sachlicher Kritik wird von den fanatischen Tierfundamentalisten souverän im Keim erstickt. Eine zielführende Kommunikation ist nicht möglich, da derartige Diskussionen ausschließlich emotional geführt werden.

Die Tierfundamentalisten bedienen sich einer obskuren Doppelmoral

Auf empirisch vorgebrachte Argumente, die sich gegen den tierfanatischen Wahnwitz richten oder diesen berechtigterweise ins Lächerliche ziehen, folgen Beleidigungen in primitivstem Gossenjargon bis hin zu Morddrohungen als probate Antwort. Das asoziale und menschenverachtende Verhalten eifernder Tierfreunde kennt keine Grenzen. Dabei führen sich diese neurotischen Spinner mit ihren Aussagen regelmäßig selbst ad absurdum. Eines der angebrachten Hauptargumente ist stets, dass das Tier grundsätzlich unschuldig sei und nie etwas dafür könne. Ich sage: Nein, das ist falsch. Schließlich hat es zugebissen und bekanntlich schützt auch Unwissenheit vor Strafe nicht. Man kann nicht auf der einen Seite einem Tier einen menschlichen Status zusprechen und auf der anderen Seite dann Straffreiheit fordern. Das ist in höchstem Maße Schizophren. Selbst die maßgebliche Mittäterschaft der versagenden Hundehalter kann diese Tatsache nicht entkräften. Die Giftspritze oder der Bolzenschussapparat sind daher als einzig tragbare Konsequenz einzustufen.

Himmelsstürmende Vermenschlichung von Tieren ist der Treibstoff der kranken Propagandamaschinerie dieser geistig unterbelichteten Fanatiker. Doppelmoralisch werden Hunde als die besseren Menschen angeführt, während man sich nicht daran zu stören scheint, dass Schweine und Rinder in den unwürdigen Zuständen der Massentierhaltung dahinsiechen und schließlich an ihrem Blut erstickend, qualvoll auf der Schlachtbank verenden. Anschließend klein gehackt, werden diese durch die „Tierfreunde“ an die, dem Menschen gleichgestellten, Hunde verfüttert. Hier zählt die gegenüber Kritikern oftmals angebrachte Aussage „mit dir sollte man das Gleiche machen“ plötzlich nichts mehr. Wird aber von Gesetzes Wegen, in vernunftbegabter Weise die Einschläferung eines hoffnungslosen und offensichtlich gefährlichen Hundes angeordnet, der zwei Menschen totgebissen hat und vor dem die Öffentlichkeit geschützt werden muss, wird plötzlich lauthals die Todesstrafe für die Verantwortlichen gefordert.

Eine realistische Weltanschauung und die Fähigkeit zur Selbstkritik fehlen oft vollständig

Natürlich wird das durchschnittlich schlichte Gemüt solcher Tierfreunde jegliche Kritik unmittelbar als persönlichen Angriff auffassen. Innerhalb ihres verqueren Rechtsverständnisses, stellt beispielsweise die Bezeichnung Köter eine schwerwiegende Beleidigung dar. Dass Objekte von Rechtswegen per se nicht beleidigungsfähig sind, spielt im gestörten Universum dieser Zurückgebliebenen selbsterklärend keine Rolle. Man wird sich sofort neurotisch zum Fürsprecher aller Hunde erheben und diese in gewohnt anspruchsloser Weise bis aufs Blut verteidigen. Der Kontext spielt hierbei ebenso wenig eine Rolle, wie jegliche Formen von Respekt, Sachlichkeit und Anstand. Erschwerend zum unterentwickelten Artikulationsvermögen der Tierfundamentalisten kommt hinzu, dass sie offenbar gar nicht in der Lage sind, zwischen sich selbst und den Tieren zu differenzieren. Ein schwerer Fall von Persönlichkeitsstörung, der einer dringenden Behandlung bedarf.

Auch als in jüngerer Vergangenheit Rechtsradikale ihre Hunde auf Flüchtlinge und türkische Mitbürger hetzten, fanden sich in den angeheizten Debatten haufenweise Tierfundamentalisten, die lediglich den armen Hunden ihr Bedauern ausdrückten. Das Befinden der menschlichen Opfer, scheint diesen misanthropischen Heuchlern schlichtweg egal zu sein. Blanker und unverhohlen zur Schau gestellter Hass scheint in den Kreisen des tierfanatischen Pöbels überaus gesellschaftsfähig zu sein. Deswegen müssen sich diese Leute auch zwanghaft Hunde halten, denn eine höhere Lebensform würde sich mit derart primitiven Trollen nicht freiwillig abgeben wollen. Der beste Freund des Menschen hingegen, bis zur vollständigen Verkrüppelung seiner Eigenständigkeit zugrunde domestiziert, lässt solchen unkultivierten Psychopathen nicht nur seine Gesellschaft zuteilwerden, sondern stattet sie zugleich mit Macht aus.

Der Hund als soziales Wesen – Im Gegensatz zu seinen Haltern

Die oft gelobten sozialen Eigenschaften von Hunden, fehlen bei vielen Hundehaltern hingegen vollständig. Der Begriff Tierfreund scheint in diesen Tagen als Synonym für das Wort Menschenfeind zu avancieren. Ich persönlich habe überhaupt nichts gegen Hunde als solche und finde, dass diese durchaus liebenswerte Geschöpfe sein können. Wenn allerdings Wohl und Wertigkeit von Hunden über die des Menschen gestellt werden, spreche ich entschieden dagegen. Der Hund ist nun mal ein Tier und das wird er auch immer bleiben. Tiere sind dem Menschen im gesellschaftlichen Sinne untergeordnet und das ist ein indiskutabler Fakt. Die grenzenlose Solidarisierung mit Chico steht als Musterbild für einen aufkeimenden, gefährlichen Tierfundamentalismus und zeigt einmal mehr, welch fortschreitendem geistigen Verfall diese Gesellschaft unterworfen ist. Allerdings scheint dies ein rein deutsches Phänomen zu sein, denn andernorts wäre der Bevölkerung Chicos Schicksal nicht einmal ein müdes Schulterzucken wert gewesen.

Zum Glück gibt es noch Menschen, die im Gegensatz zu den völlig verblendeten Tierfundamentalisten in der Lage sind, mit fachlicher Kompetenz und Sachverstand zu urteilen. Deshalb wurde die Bestie Chico zu Recht eingeschläfert. Was im Nachgang einige Klatschblätter nicht davon abhielt, aus der Story um die Verwertung von dessen Kadaver noch weiteres Kapital zu schlagen. Hauptsache, den Tierfreunden gefällts. In ein paar Wochen jedenfalls, wird kein Hahn mehr nach Chico krähen. Auch die herzlosen Mitarbeiter der Veterinärbehörde, die als erbittertes Feindbild ins Fadenkreuz dieser gemütskranken Ideologie gerieten, können sich dann wieder entspannen.

Wie ich erfahren habe, geht das Drama um Chico noch weiter. Weiterführender Artikel aus der Fachpresse: Hier klicken

Chico und die Tierfundamentalisten

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