Blutige Pirsch

Pirsch

Zur Entspannung gönne ich mir hin und wieder einen Spaziergang durch die Natur. Dazu bietet sich der nahegelegene Wald an. Als entdeckungsfreudiger Mensch bewege ich mich auch gerne abseits der ausgetretenen Pfade, so wie an diesem schönen Tag. Nach kurzer Zeit begegne ich einem Jägersmann, der, in einem Hochsitz thronend, auf ahnungslose Beute lauert. Natürlich stört er sich unmittelbar an meiner Anwesenheit und bringt dies in rotbackiger und bierwänstiger Erscheinung, larmoyant grunzend zum Ausdruck. Ich würde ihm seine Pirsch versauen und solle doch wo anders lang gehen. Freundlich weise ich ihn darauf hin, dass der Wald nicht ihm gehöre und dass ich mich dort bewege, wo es mir beliebt. Anschließend befördere ich mich, um einem etwaigen Jagdunfall zu entgehen, zügig aus seiner Schusslinie. Man weiß schließlich nie, was im Kopf eines derartigen Psychopathen vorgeht.

Wer mit einer Schusswaffe perfide aus dem Hinterhalt auf unbewaffnete Lebewesen ballert, ist mir vom Grundsatz her schon unsympathisch und höchst suspekt. Früher diente die Jagd zur Aufrechterhaltung der Art und war für das Überleben der Menschen unabdingbar. Inzwischen ist sie jedoch zum dekadenten Zeitvertreib für blutgierige Trophäensammler verkommen. Als plumpe Rechtfertigung dafür dient die sogenannte „Regulierung des Wildbestandes“. Die Grundlage dafür hat man sich in skrupelloser Weise selbst geschaffen, in dem man alles niedergeschossen hat, was nur annähernd aussah wie ein Raubtier. Wölfe, Bären, Luchse, Füchse und andere natürlich vorkommende Jäger wurden in einer beispiellosen Massenvernichtung gewissenlos abgeschlachtet.

Trophäenwahn und Mordlust dienen als Motiv für die Pirsch

Die Natur reguliert sich selbst und braucht den Menschen nicht. Ihre Jahrmillionen alte Existenz beweist das unumstritten. Und erst recht bedarf es keiner sadistischen Waidmänner, die sich am Leid verwundeter Tiere ergötzen und den Höhepunkt ihrer kranken Befriedigung darin erleben, diese unter dem Einsatz von Jagdhunden zu Tode zu hetzen. Es muss schon ein mächtiges Gefühl sein, so einem angeschossenen und vor Todesangst erstarrten Reh die erlösende Kugel zu verpassen. Trophäenwahn, Mordlust und das Verlangen nach einem adrenalingeschwängerten Blutrausch sind die alleinigen Triebfedern dieser neurotischen Spinnerei. Weiter widerstrebt es mir, einen grüngekleideten Clown mit Seppelhut als „Jäger“ zu bezeichnen, der fettgefressen mit seinem Dackel durch den Wald stapft, nachdem er mit dem SUV dort hingelangte.

Ein richtiger Jäger dagegen ist der Wolf. Dieser tötet nur das, was er und sein Rudel zum Leben brauchen. Hat er seine Beute erst gestellt, tötet er diese schnell und gekonnt, ohne unnötiges Leid durch einen im Suff verfehlten Blattschuss und anschließende Selbstbeweihräucherung. Eine Pirsch ist bei ihm noch echter Jagdsport. Deshalb wird er von den blutgeilen Waidmännern auch als erbitterter Feind angesehen, die diesen am liebsten sofort wieder ausrotten würden, anstatt sich an seiner Existenz zu erfreuen. Unterstützung bekommen sie dabei in vorauseilendem Gehorsam von der CSU; wer hätte das gedacht. Vor der Jagdlobby buckelnd, gibt diese wie gewohnt völlig gewissenlos handelnde Partei, unter dem Namen „Bayerischer Aktionsplan Wolf“ die Tiere zum Abschuss frei. Auf der Basis kommerzieller Interessen wird kaltschnäuzig der Artenschutz konterkariert.

Der Jäger als Gefahr für die Allgemeinheit

Fadenscheinig wird eine nonexistente „Gefahr für die Bevölkerung und Tiere“ herbei fantasiert. Auch die egoistischen und habsüchtigen Bauern schlagen hier wieder einmal in die gleiche Kerbe. Dabei ist es der Mensch, der immer mehr in den Lebensraum der Natur vordringt und nicht umgekehrt. Die Gefahr, beim Waldspaziergang versehentlich von einem Jäger erschossen zu werden ist weit höher als die, von einem Wolf angefallen zu werden. Ich plädiere daher für die gänzliche Abschaffung der abnormalen und schädlichen Pirsch durch den Menschen. Stattdessen sollte die Wiederansiedlung natürlicher Jäger uneingeschränkt im Vordergrund stehen. Die ausgehende Gefahr, durch einen im Unterholz sitzenden Irren, der auf alles schießt was sich bewegt, ist unverantwortlich.

Die windschiefen Jägerstände und Hochsitze, die den Wald ohnehin nur verunstalten, bräuchte dann ebenfalls niemand mehr. Auch die angeblich so stark um ihr Vieh besorgten Landwirte sollte man rigoros in die Schranken weisen. Sollen diese doch ihre faulen Kadaver selbst bewegen, anstatt den Schutz ihrer Nutztiere auf die Allgemeinheit abzuwälzen, zumal sie diese ohnehin ersetzt bekämen. Zu solch zweckmäßigen und adäquaten Handlungen ist eine seelenlose und amigoversiffte CSU-Regierung allerdings nicht in der Lage.

In diesem Sinne, Sieg … äh … Waidmanns Heil!

Die blutige Pirsch und ihre Opfer

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