Das Schweigen der braunen Lämmer

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Ich wünschte mir, die führenden Köpfe der AfD neigten öfter einmal zum Schweigen. Nun, kürzlich rief die Parteiführung tatsächlich zur Schweigeminute auf. Öffentlichkeitswirksam inszeniert im Bundestag. Jedoch nicht aus Pietät gegenüber KZ-Opfern oder dem gesunden Menschenverstand. Anlass für das Schweigen gab die Ermordung eines jungen Mädchens, durch einen irakischen Flüchtling. Ohne Zweifel ein schändliches Verbrechen, unentschuldbar und zutiefst verwerflich. Allerdings geht es der AfD hier offensichtlich gar nicht um das Opfer, oder das Verbrechen als solches, sondern vorwiegend um die Betonung der Täterherkunft. Mord ist jedoch Mord. Ob nun durch einen Deutschen oder einen Iraker ausgeführt, macht es das Verbrechen weder besser, noch schlechter. Hier verhält es sich, wie mit allem anderen, was die AfD sonst so zur Instrumentalisierung einsetzt.

Ob nun verfolgte Juden, Armutsrentner oder Vergewaltigungen – die Leidtragenden sind der AfD in Wahrheit völlig gleichgültig. Lediglich das Täterprofil muss ins Konzept passen, damit die hetzerische Propagandamaschinerie wieder ins Rollen kommt. Die Trollarmeen in den Diskussionsforen und sozialen Medien sind bereits zuverlässig aufmarschiert und die ersten Demonstrationen gegen Merkels Einwanderungspolitik sind ebenfalls durch. Aber wenn schon schweigen, dann bitte wenigstens konsequent. Wo fand also die Schweigeminute der AfD statt, als ein Deutscher in den USA ein kleines Mädchen zu Tode misshandelte? Wann fand bei der AfD jemals eine Gedenkminute für die Opfer der NSU-Terrorzelle statt? Wo fand am 22. Juli 2016 ein Schweigen der AfD statt, als sich die Ermordung von 77 Menschen durch den rechtsradikalen Fanatiker Anders Behring Breivik zum fünften Mal jährte?

Fragen über Fragen, bei deren Anwendung man von den geneigten AfD-Anhängern bestenfalls nationalistisch verblendetes Gegrunze zur Antwort erhielte. Die Bundeskanzlerin hätte Blut an den Händen und die linksversifften Gutmenschen und Teddybärenwerfer würden sich plötzlich ganz ruhig verhalten, triumphieren nun die braunen Lämmer, wie in einer Jauchegrube spielende Kinder, mit Scheiße um sich werfend. Es erweckt gar den Eindruck, als würden sie sich über den Mord freuen, welcher wieder einmal die gewünschte Bestätigung für die Bösartigkeit und Gefährlichkeit von Flüchtlingen lieferte. Wäre der Mörder allerdings ein glatzköpfiger Neonazi gewesen, dessen Stammbaum eine reine Blutlinie bis ins 17. Jahrhundert vorzuweisen hat, dann hätten die AfD und ihre Anhänger die sinnlose Tat nicht einmal mit einem müden Arschrunzeln quittiert.

Man beruft sich darauf, dass der Täter geduldet war und längst hätte abgeschoben werden müssen. Tatsächlich ein Systemfehler, der nach Aufklärung schreit. Warum ein abgelehnter Asylbewerber nicht konsequent abgeschoben wird, ist diskussionswürdig, keine Frage. Kein Grund allerdings, Flüchtlinge per se an den Pranger zu stellen. Von einem Verbrechen, das die Gesellschaft spaltet, ist zwischenzeitlich sogar die Rede. Allerdings zieht sich der Riss der Spaltung keinesfalls durch die Mitte der Gesellschaft. Es nur ein Riss am Rande, der die AfD-Anhängerschaft vom Rest abspaltet. Der Rest, der diesen Mord als das betrachtet, was er ist. Ein abscheuliches Verbrechen, für welches der Täter nach rechtsstaatlichen Grundsätzen verurteilt werden muss. Mit etwas Glück findet sich hier vielleicht ein hungriger Richter.

Der eigentliche Zweck der AfD-Schweigeminute und ihr heuchlerischer Hintergrund sind somit eindeutig entlarvt. Eine weitere plumpe Provokation, die wieder einmal nach hinten loszugehen scheint. Die ganze Aktion ist in etwa so glaubwürdig, als würden sich die Mitglieder der CSU im Landtag zu einer Gedenkminute für die Opfer von Polizeigewalt erheben.

Nachtrag: Die Maßregelung durch Dr. Wolfgang Schäuble zur Schweigeminute der AfD. Link zum Youtube-Video

Schweigeminute bei der AfD

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