Das Trümmerfeld der Politik

Politik

Wenn wir ehrlich sind: Wirklich seriös war deutsche Politik noch nie. Noch weniger die Bayerische. Führt man sich jedoch zu Gemüte, was in unserer Politik-Landschaft derzeit vor sich geht, bekommt man schnell den Eindruck, sich in einer Irrenanstalt ohne Pfleger und Ärzte zu befinden. Während sich die Köpfe der Franz-Josef-Strauß- oder Stoiber-Ära noch im Ansatz bemühten, zumindest nach außen hin wie rechtschaffene Volksvertreter zu wirken, sind bei Horst Seehofer und Konsorten mittlerweile jegliche Sicherungen durchgebrannt. Einen Bundesminister, der sich als Angehöriger einer angeblich christlichen Partei, wie ein Polit-Kasper der nur noch zum Fremdschämen taugt, in jedem braunen Elendsviertel prostituiert und zugleich wie ein trotziges kleines Kind versucht, die amtierende Bundeskanzlerin mit seinem Rücktritt zu erpressen, den kann wahrlich niemand mehr für voll nehmen.

Wohlwissend über den erbärmlichen Erpressungsversuch dieses Hochstaplers, ließ die Kanzlerin die Drohung völlig zu Recht und in gewohnter Teflon-Manier an sich ab prasseln. Ein Seehofer würde niemals freiwillig zurücktreten, da er für so eine konsequente Handlung keinesfalls das Rückgrat besäße, dafür jedoch vor narzisstischer Selbstverliebtheit nur so trieft. Und so wurde der, erneut dem Danning-Kruger-Effekt zum Opfer gefallene Seehofer wieder einmal zum Drehhofer, der den rotnasigen Wendehals Martin Schulz, welcher die SPD auf ähnlich beschämende Weise ad absurdum führte, an Peinlichkeit und Unglaubwürdigkeit noch übertrifft. Mit seinem billigen Bluff und dem anschließenden geschmacklosen bis tief dümmlichen Gestammel hat er nichts weniger erreicht, als den endgültigen Niedergang der CSU einzuläuten. Da kann auch der selbst ernannte Kreuzritter Markus Söder nichts mehr ausrichten, möge er noch so viele Götzenbilder aufhängen lassen. Die CSU hat sich ihr eigenes Grab geschaufelt, eine Schlangengrube, die sich langsam mit Jauche füllt.

Die deutsche Politik gleicht nur mehr einem Trümmerfeld

Natürlich hält das die Schlangen nicht ab, weiterhin auf jede erdenkliche Weise Gift gegen alle Formen von Kritik und Protest zu versprühen. Von Drohungen und platten Sprüchen bis hin zu Strafanzeigen, ziehen die todgeweihten schwarzen Priester noch einmal alle Register, bevor ihnen bei der Landtagswahl auf demokratische Weise endgültig die Lichter ausgeblasen werden und ihnen die Fetzen ihrer eigenen Einfältigkeit vor die Füße fallen. Im Anschluss werden sie nur noch wie Schatten durch das eigenhändig verursachte politische Trümmerfeld wandeln. Selbst Franz-Josef-Strauß würde sich angesichts der Minderleistungen seiner Nachfolger im Grabe umdrehen. Die jüngsten Umfragen geben bereits eine wegweisende Prognose hierzu ab. An subtileren Methoden der Meinungsmache scheitert man bei der CSU aufgrund von rhetorischem Unvermögen und mangelnder Intelligenz. Traurigerweise werden viele ihre Stimmen stattdessen an die sozialchauvinistische AfD verschleudern, die sich immer unverhohlener als würdige Nachfolgerin der NSDAP zu erkennen gibt.

Insofern keine Verbesserung, sondern lediglich eine Verlagerung des Problems von schwarz-braun nach braun. Wer allerdings glaubt, die malträtierte politische Seele fände Heilung in der anderen Richtung, der sollte vielleicht versuchen, sein Glück im Reich der grünen Absurditäten zu finden. Die Linken widmen sich da schon wichtigeren Themen in ernsthafterem Ansinnen, wie beispielsweise der geschlechtlichen Gleichstellung von Bürogeräten. Jemand wie Sahra Wagenknecht oder Gregor Gysi wäre dem gesamten CSU-Kader mitsamt seinem kruden Bauernvokabular zumindest in puncto Wortgewandtheit um Längen überlegen. Jedoch sind auch sie mit Vorsicht zu genießen und weisen durchaus demagogische Züge auf. Aber der Linken wurde in Bayern bislang ohnehin keine nennenswerte Bedeutung zuteil. Zudem wäre stalinistisch angehauchter Staatssozialismus im Sinne der DDR ein Rückschritt. Wenn auch vielleicht nicht ganz so ein weiter, wie die vielenorts gewünschte Regression ins Dritte Reich.

Kleinparteien sind im Kommen

Da blieben noch die neoliberalen Träumer der FDP als Alternative, wenn sie denn den Wiedereinzug schaffen. Andernfalls sind sie auf dem besten Wege, zurück in die Bedeutungslosigkeit zu verschwinden, wo bereits die NPD wartet. Vielleicht sollte man sich in Lindners Partei doch lieber damit begnügen, künftig kleinere Brötchen zu backen. Die Wahl des geringsten Übels sei demnach gut zu überdenken. Wen also noch wählen? Bei so viel geballtem Schwachsinn ist Politik-Verdrossenheit beim Bürger unvermeidlich. Kein Wunder also, dass der Trend immer stärker zu Kleinparteien wie den Freien Wählern, der ÖDP oder Satire-Parteien wie Martin Sonneborns Die PARTEI geht. Letztere zählt allerdings schon lange nicht mehr zu den wahren Satirikern. Die Komödianten sitzen nämlich längst in jenen Parteien, die zwar bis ins Mark radikal sind, sich aber noch immer bürgerlich schimpfen.

Als Fakt kann man es jedenfalls ansehen, dass die CSU 30 Jahre nach dem Tod von Franz-Josef-Strauß am Tiefpunkt angelangt ist. Sie ist so weit wie noch niemals zuvor von sozial, christlich und der absoluten Mehrheit entfernt. Vielmehr ist sie obsolet und es ist an der Zeit, über ihre Abschaffung nachzudenken. Wozu man eine CSU braucht, wo es in allen anderen 16 Bundesländern (inklusive Mallorca) eine CDU gibt, war mir schon immer suspekt. Diese Frage sollte man sich schon einmal stellen, ungeachtet dessen, dass auch die CDU einige der größten Polit-Verbrecher der deutschen Geschichte hervorgebracht hat.

Politik-Verdrossenheit vor der bayerischen Landtagswahl

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