Die totale Verweigerung

Verweigerung

Was viele schon immer erahnten, ist mittlerweile sogar amtlich. Der eine oder andere mag es schon vorher gewusst haben. Das Statistische Bundesamt liefert nun die Bestätigung. Männer haben keine Lust mehr. Von einer Weigerung auf der ganzen Linie ist gar die Rede. In den letzten 20 Jahren hat sich die Anzahl der deutschen Single-Männer mehr als verdoppelt. Immer weniger Männer wollen eine Beziehung eingehen, heiraten, geschweige denn, Kinder zeugen. Die Renitenz erstreckt sich allerdings nicht nur auf den privaten Bereich, sondern auch auf das Arbeitsleben. Vor allem werden fehlende Zukunftsperspektiven als Grund für die berufliche Verweigerung angeführt. Die Männer gelten zudem als die totalen Verlierer der Emanzipation. Tja, was soll man dazu sagen. Der Krug geht eben solange zum Brunnen, bis er bricht. Es sieht ganz so aus, als gingen den Frauen und der deutschen Wirtschaft langsam die Krüge aus.

Der verschleißtreibende Umgang mit Menschenmaterial rächt sich irgendwann. Bevölkerungsrückgang und Fachkräftemangel sind die Folgen. Wenn ich mir die restlos übervölkerten Landstriche des Speckgürtels südlich von München so ansehe, mag dies nicht unbedingt ein Nachteil sein. Noch mehr Menschen bedeuten noch engeren und teureren Wohnraum und eine exponentielle Mehrbelastung für Infrastruktur und Umwelt. Pyramidensysteme wie das Rentensystem und ein auf permanentes Wachstum getrimmter Kapitalismus werden dann offenkundig unhaltbar. Die totale Verweigerung der Männer könnte uns daher zwangsläufig schneller in eine Postwachstumsökonomie führen, als es manch einer für möglich gehalten hätte. Zumindest das globale Ökosystem wird es uns danken. Die Gründe für das Verhalten des modernen Mannes liegen auf der Hand.

Über Jahrhunderte hinweg haben sich Männer stets abgemüht, eine gute berufliche Karriere hinzulegen, um Frau und Kindern ein auskömmliches Leben zu sichern und anschließend zeitig von der Bühne des Lebens zu treten. Dann kam irgendwann die Emanzipation hinzu. Die Frauen übernahmen immer mehr das Ruder und die Männer hatten immer weniger zu lachen. Schnell sahen sich die einst unbestrittenen Ernährer immer abstruseren Forderungen ausgesetzt. Konnte der Mann die affektierten und sich ständig steigernden aufgebürdeten Obliegenheiten nicht mehr dauerhaft erfüllen, so wurde er kurzerhand entsorgt und oft gegen ein besseres Exemplar ausgetauscht. Somit war er finanziell ruiniert, wohingegen die Frau auf seine Kosten ein Leben in Freiheit und ohne Geldsorgen genießen konnte.

Der deutsche Staat unterstützte die Damen fortan fleißig bei diesem schimpflichen Treiben und bald darauf etablierte sich das parasitäre Lebensmodell zum gesellschaftlichen Standard. Dies hatte aus gemeineigener Sicht noch einen bedeutenden Vorteil: Jemand, der finanziell nie wieder auf einen grünen Zweig kommen wird, der lässt sich wunderbar als Sklave, respektive Fachkraft, im System halten. Der fortgeworfene Knecht als unfreiwilliger Wirtschaftsmotor, ein menschenverachtendes Endzeit-Produkt als Höhepunkt gesellschaftlicher Perversion. Was tut man nun am besten, wenn einem ein solches Produkt nicht gefällt? Richtig, man boykottiert es. Durch ihre Verweigerung entziehen sich die Männer somit bewusst dieser schauderhaft gewordenen Verantwortung. Das mag egoistisch klingen, dient jedoch primär dem Selbsterhaltungstrieb. Den Männern wurde bewusst, wie unökonomisch es ist, sich eine ganze Kuh zu halten, wenn man nur gelegentlich ein Glas Milch trinken möchte.

Ihnen wurde klar, dass es viel schöner ist, das Leben mit einer guten Work-Life-Balance, Reisen, tollen Hobbys, sowie zeitlich unlimitierten Männerabenden zu verbringen und das sauer verdiente Geld für sich selbst auszugeben, anstatt dieses erfüllte Dasein gegen eine meckernde Ehefrau, ein Rudel schreiender Kinder, eine erdrückende monatliche Kreditrate und ein Magengeschwür einzutauschen. Diesen Umstand könnte man auch als Evolution bezeichnen. So wie die Menschen einst lernten, dass man einen Säbelzahntiger lieber nicht streichelt, weil er einem Artgenossen gerade das Fleisch von den Knochen gezogen hat. Die Kunde, dass ein solches Tier gefährlich sei, vermag innerhalb der Gruppe schnell die Runde gemacht zu haben. Ähnlich verhält es sich heute mit den Frauen. Das Streicheln sollte daher nur mit der nötigen Distanz, unter guter Aufklärung und strengen Sicherheitsvorkehrungen erfolgen.

Andernfalls droht der persönliche Untergang und die Frau verfügt schneller über die Geldbörse und das Zeitkontingent des Mannes, als dieser die Flucht ergreifen kann. Das erklärt auch den Umstand, dass die Attraktivität eines Mannes proportional an die Dicke seines Geldbeutels gekoppelt ist. Auch das weibliche Geschlecht hat sich evolutionär weiterentwickelt und so passt der stärkste, gut aussehendste und vielversprechendste Jäger schon lange nicht mehr ins Beuteschema. Kreisrunder Haarausfall, Kleinwüchsigkeit, Adipositas, ein hohes Alter oder Krebs im Endstadium sind deshalb kein Ausschlusskriterium mehr bei der Partnerwahl, solange das Konto nur gut genug gefüllt ist. Soziale Sicherheit ist heute bedeutender denn je. Das wissen auch die Männer. Aus diesem Grund tun sie gut darin, auch weiterhin der Verweigerung zu frönen und andere davon zu überzeugen.

Ganz im Sinne der sozialen Sicherheit natürlich. Verantwortung fordert das Leben selbst bereits genug. Sich mehr davon aufzubürden, als unbedingt notwendig, ist nicht im Sinne der Evolution und eines erfüllten Lebens. Der Entwicklung zum Single-Land Deutschland steht daher nichts mehr im Wege und die Männer kommen langsam zurück ans Steuer. Letztlich liegt es an jedem selbst, sich aus dem Joch zu befreien oder gar nicht erst hineinzugeraten.

Evolution durch Verweigerung

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