Die italienische Brücke

Brücke

Entsetzt starrte die Welt dieser Tage nach Italien. Genauer gesagt, nach Genua. Dort stürzte am 14. August 2018 die offensichtlich marode Brücke einer Autobahn ein und riss mehr als 40 Menschen mit in den Tod. Ein überaus tragisches Ereignis. Nach der Bergung der Toten und der Versorgung der Verletzten, wäre der nächste entscheidende Schritt, die genauen Ursachen für den Einsturz zu prüfen. In Italien konzentriert man sich statt konkreter Ursachenforschung jedoch erst einmal darauf, einen Schuldigen an den Pranger zu stellen. Im Ergebnis bedeutet dies viel unproduktives Gewäsch und heiße Luft, wie man es eben aus Italien gewöhnt ist. Ergebnisorientierte Arbeit sieht anders aus. Man steckt Energie und Ressourcen lieber in eine ausgiebige Schlammschlacht.

In Deutschland hingegen nutzt man den traurigen Vorfall unverhohlen, um sich mittels plumpstem Populismus zu profilieren. Im internationalen Vergleich solle es in Deutschland die strengsten Kontrollen geben und die Bürger könnten beruhigt sein, lässt Bundesverkehrsminister Scheuer vorwitzig in aufgeblasener Hochstaplermanier verlauten. Wem diese Erkenntnis nützt an einer Stelle, an der Merkels Kondolenz völlig ausgereicht hätte, bleibt im Dunkel. Zeitgleich kündigt er ein verbessertes Brückenkontrollsystem an, das angeblich völlig unabhängig vom Einsturz der Brücke in Genua eingeführt werden soll. Großkotzig zeigt man mit dem Finger auf das vermeintlich technologisch unterlegene Italien, während man sich wie eine brünstige Wildsau in der eigenen Selbstherrlichkeit suhlt. Dass sich im Hochtechnologieland Deutschland mittlerweile jede achte Brücke in schlechtem Zustand befindet, wird kurzerhand heruntergespielt. Pietätlos versucht man indessen, politisches Kapital aus dem Unglück in Italien zu schlagen, natürlich ganz Zufällig vor den Wahlen.

Die Brücke von Genua dient als Instrument, um deutsche Probleme herunterzuspielen

Von „Panikmache“ und einer „typisch deutschen Diskussion“ ist die Rede. Wer nun genau Panik verbreitet, abgesehen von Scheuer selbst, ist dabei unklar. Es wird darauf verwiesen, dass trotz dem teils als mangelhaft konstatierten Zustand einiger deutscher Brücken eine Einsturzgefahr nicht gegeben sei, ohne weitere Belege oder seriöse Quellen für diese Aussage zu liefern. Das lapidare Geschwätz eines von Süffisanz geschwängerten CSU-Politikers ist keinesfalls als eine solche zu werten. Dass man hierzulande nicht einmal in der Lage ist, einen Flughafen fertigzustellen, erwähnt man dabei lieber nicht. Ganz zu schweigen von den 1100 maroden Bahnbrücken. Auch dass Italien bereits seit Jahrzehnten über eine funktionierende PKW-Maut verfügt, kehrt man wissentlich unter den Tisch. Deutschland ist das einzige Land der Welt, in welchem die Politik schlicht zu inkompetent ist, um eine solche einzuführen. Stattdessen lässt man sich vom kleinen Nachbarn Österreich nach allen Regeln der Kunst vorführen und bis vor den Europäischen Gerichtshof zerren.

Dies ist jedoch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass das Amt des Bundesverkehrsministers in jüngerer Zeit nur noch von unfähigen, rückgratlosen und chronisch unterbelichteten Brillenträgern bekleidet zu sein scheint. Dobrindts schwachsinnige Idee, die deutsche PKW-Maut gegen die Kfz-Steuer aufzurechnen und die im Anschluss großspurig durchgeführte populistische Propaganda dieses Gehirnfurzes, verurteilten das Vorhaben von vornherein zur Totgeburt. Hätte man im Vorfeld auch nur einmal darüber nachgedacht, so wäre dies selbst dem Dümmsten aufgefallen. Mit unausgegorenen Ideen um sich zu werfen, um sich im Nachgang mit dem selbst gedrehten Strick daran zu strangulieren, hat bei der CSU allerdings seit je her Tradition. Da kommt so eine eingestürzte italienische Brücke gerade recht, um in selbstgerechter Weise von den permanenten eigenen Verfehlungen abzulenken.

Die Brücke von Genua

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