Die große Spionage

Spionage

Dass uns die CIA, die NSA, das FBI, der Bundesnachrichtendienst und die Dorfpolizei ausspionieren und unseren Datenverkehr lückenlos überwachen, weiß spätestens seit den Enthüllungen durch Edward Snowden jedes Kind und das ist auch kein großer Aufreger mehr. Spionage ist längst salonfähig geworden und man lebt damit, genauso wie man mit der zwanghaften Profilneurose seiner Mitmenschen lebt, die der Welt ihr komplettes Privatleben auf Twitter, Facebook oder Instagram offenbaren. Bedenklich wird es allerdings, wenn man dann auch noch vom eigenen Partner ausspioniert wird. In jüngster Zeit wird eifrig darüber diskutiert, ob es denn legitim sei, im Handy seines Ehepartners, des Lebensgefährten, des Lebensabschnittsgefährten oder der kurzweiligen Fickbekanntschaft herumzuschnüffeln und heimlich den Nachrichtenverkehr zu lesen. 20 % der befragten Männer und 25 % der Frauen gaben zu, es schon einmal getan zu haben.

So will ich mich einmal erbarmen, den unbedarften Stellern dieser naiven Frage auf die Sprünge zu helfen: Nein, es ist keinesfalls legitim, sondern schlicht verwerflich und krank. Dafür braucht man auch keine Psychologen, Psychotherapeuten, Lebensberater oder sonstige selbst ernannte Experten zur Rate zu ziehen. Die Spionage im Handy des Partners oder der Partnerin ist gleichzusetzen mit einem Verstoß gegen das Briefgeheimnis. Diese Spione sind daher nichts anderes, als geistesgestörte Kriminelle. Ein psychisch gesunder Mensch, der seinem Partner vertraut, würde so etwas nie tun. Andernfalls sollte die betreffende Person die Beziehung also am besten sofort beenden und sich in fachkundige Behandlung begeben. Denn welchen Sinn macht eine Partnerschaft, wenn ich meinem angeblichen Lieblingsmenschen so wenig traue, dass ich heimlich Spionage in seinem Smartphone betreiben muss?

Die Gründe hierfür liegen ganz klar auf der Hand und da gibt es auch nichts zu beschönigen: krankhafte Eifersucht, Kontrollzwänge, Infantilismus, Langeweile, Minderwertigkeitskomplexe, Respektlosigkeit oder psychopathische Gewissenlosigkeit. Um den Partner gar nicht erst in Versuchung zu führen empfiehlt es sich deshalb, Sperrmuster, PIN-Codes, Fingerabdrucksensoren oder Gesichtserkennung zur Sicherung des Telefons zu verwenden. Der Partnerin den Zugriff auf das eigene Smartphone zu verweigern ist völlig in Ordnung. An meinem Handy hat niemand etwas verloren, wenn ich es nicht will. Ganz einfach. Privatsphäre gilt für mich auch digital. Da gibt es kein Wenn und kein Aber. Umgekehrt halte ich es genauso. Alles andere ist hanebüchener Bullshit, der allenfalls Eheberatern, Paartherapeuten oder Scheidungsanwälten Geld in die Kassen spült.

Die Diskussion darüber ist so unnütz wie eine Packung Viagra in den Händen des Papstes und bietet bestenfalls Schreibstoff für die Blogs irgendwelcher armseliger Hobbypsychologinnen, deren einzige Qualifikation es ist, alleinerziehend zu sein (warum wohl?). Für einen gesunden Geist jedenfalls ist genanntes Verhalten als absolut inakzeptabel zu bewerten. Wenn ich also den Verdacht habe, dass mein Partner mir untreu sein könnte, dann gibt es für Erwachsene nur einen seriösen Weg zur Klärung: ihn direkt darauf anzusprechen. Aber gerade Frauen tun dies oft nicht. Stattdessen werden die illegal erschnüffelten Informationen als vermeintliche Beweismittel verwendet, um die wirrsten Geschichten daraus zu konstruieren. Nachdem man dann alles über Wochen hinweg in sich hineingefressen hat, wird der nichts ahnende Partner schließlich in einem ungünstigen Moment damit konfrontiert.

Diese gemütskranke Vorgehensweise hat schon so manche Beziehung zerstört. Deshalb sollte sich ein jeder fragen, ob es das wert ist.

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