Silvester-Exzesse

Silvester

Weihnachten ist kaum verhallt, da scheint alljährlich eine bestimmte Frage zum Wichtigsten im Leben zu avancieren: „Was machst du an Silvester?“. Eine Jahreszahl im Kalender ändert sich und das kollektive Durchdrehen der Massen bahnt sich wieder an. Brennende Dachstühle, Autounfälle, Vandalismus, Alkohol-Exzesse, Tote, Massenschlägereien und abgesprengte Gliedmaßen sind auch zum Jahreswechsel 2018/2019 wieder zu erwarten. Eine ganze Nation frönt dem gezwungenen Feier-Wahn, ohne Rücksicht auf Verluste. Leidtragend sind alle Arten von Tieren und Menschen, die nichts mit dieser ganzen affektierten Silvester-Feierei zu tun und einfach nur ihre Ruhe haben wollen. Aber auch Polizeibeamte, Feuerwehrleute und Krankenhauspersonal gehören zu den Leidtragenden.

Feiern um jeden Preis

Und so wird gefeiert um des Feierns Willen, abgesehen von jenen, die bereits vor Mitternacht, schlafend und vollgekotzt auf der Kloschüssel, vor der eigenen Maßlosigkeit kapituliert haben. Millionen von Euro werden wieder sinnlos in den Himmel geblasen oder auf den Asphalt erbrochen. Zurück bleiben Chaos, Gestank und Tonnen von Müll auf den Straßen, da die Silvester-Feiernden sich nicht in geringster Weise für die Beseitigung ihres Drecks verantwortlich zu fühlen scheinen. Exzessive Umweltverschmutzung und systematische Ruhestörung scheinen an den Tagen um den Jahreswechsel im spießbürgerlichen Deutschland plötzlich salonfähig zu werden. Gerade die, die sich in heuchlerischen Ansinnen über Alters-Armut begründet durch Flüchtlinge oder ähnliche soziale Ungerechtigkeiten echauffieren, frönen besonders unverhohlen der Dekadenz und lassen es so richtig krachen.

Silvester
Allenorts trifft man auf die Hinterlassenschaften der Feierwütigen.

Gemeinschaftliche Ressourcenvernichtung und Kriegsersatz als Sinnbild für die Empathielosigkeit und den stumpfen Egoismus, die in unserer verderbten Konsumgesellschaft grassieren: Bevor ich etwas Gutes tue, verbrenne ich mein Geld lieber. Die Sprengmittel- und Alkohol-Industrien hingegen reiben sich die Hände. An Neujahr scheint dann alles vergessen, nachdem man um fünf Uhr nachmittags grunzend mit fahlem Gallegeschmack in der eigenen Pisse aus dem Rausch erwacht und sich besorgt fragt, wer denn da eigentlich neben einem liegt. Nun ist die Zeit der guten Vorsätze angebrochen. Gute Vorsätze sind allerdings so überflüssig wie ein Kropf, dienen lediglich zur Beruhigung dessen, was der Alkohol vom eigenen Gewissen übrig gelassen hat und sollen über die traurige Realität hinwegtäuschen: Dass man einfach hässlich, fett, blöd, versoffen, dekadent und scheiße ist und die Vorsätze vom Vorjahr nicht einmal drei Tage gehalten haben.

Silvester
Gute Vorsätze? Drauf geschissen!

Silvester und gute Vorsätze sind für den Anus

Diese lauten üblicherweise: Ich werde mehr Sport treiben, mich gesünder ernähren, aufhören zu rauchen, weniger saufen und meinen Mitmenschen weniger auf den Sack gehen. Wer jedoch über ein Mindestmaß an Intelligenz verfügt und weiß, worauf es im Leben ankommt, der braucht keine guten Vorsätze. Ebenso wenig wird sich eine gefestigte Persönlichkeit die dumme Silvester-Feierei aufzwingen lassen. Was kann es Schöneres geben, als all dem zu entsagen, den Jahreswechsel mit Ohrenstöpseln zu verschlafen und das neue Jahr gut ausgeruht und ohne irgendwelche bescheuerten Vorsätze zu starten?

Silvester
Prost Neujahr!

Wenn überhaupt, sollten diese lauten:

  • Anstatt Silvester-Raketen und Böller zu kaufen, werde ich an die Tafel spenden
  • Ich werde die Beseitigung meines selbst verursachten Drecks nicht anderen auferlegen
  • Ich werde meinen SUV verkaufen oder besser: gleich verschrotten
  • Ich werde zukünftig nie wieder die CSU wählen
  • Ich werde meinen fetten Kadaver öfter mal aufs Fahrrad schwingen
  • Ich werde dem sinnlosen Konsum entsagen und einen nachhaltigen Lebensstil führen
  • Ich werde Rabotnik als den einzig wahren Lebensberater anerkennen

Mit diesen Vorsätzen sollte einem erfolgreichen Start ins neue Jahr nichts mehr im Wege stehen. In diesem Sinne: Prost Neujahr!

Silvester-Exzesse

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