Modetrends

Modetrends

Bei allem Überfluss, den es auf der Welt gibt, tummeln sich Modetrends ganz oben. Neulich wollte ich mir eine neue Jeans kaufen. Da ich mir nicht alle Tage eine Jeans leiste, bin ich durchaus bereit, gutes Geld für gute Qualität hinzulegen. So begann ich meinen Streifzug durch die Kaufhäuser und stellte enttäuscht fest: Es gibt fast nur noch Jeans, in die ich mit den Oberschenkeln kaum hineinpasse. Nein, das liegt keineswegs daran, dass ich elefantöse Oberschenkel hätte. Auf meine kritische Nachfrage hin erklärte mir die Verkäuferin, dass Slim-Fit als der neue Modetrend jetzt IN sei. Gelinde gesagt interessiert es mich jedoch einen Scheiß, was gerade der neue Modetrend ist. Ich will eine Hose, die bequem ist, gut verarbeitet und in der ich nicht herumstacksen muss wie eine storchenbeinige Metro-Tunte.

Der einzige Nutznießer von Modetrends ist die Industrie

Modetrends sind so überflüssig wie ein Kropf und nichts anderes als eine kranke Ausgeburt der Mode-Industrie. Da sie dem Selbsterhaltungstrieb eines Industriezweigs dient, versucht man, sie der Bevölkerung mit allen erdenklichen Mitteln aufzuzwingen. Und wenn es nur die Verkäuferin ist, die einen schief anschaut, weil man eine anständige Jeans verlangt und keine Herren-Leggins. Ich will übrigens auch keine beschissenen Sneakers, die sich beim Laufen anfühlen, als hätte mir jemand einen Waschlappen an die Fußsohlen gebunden. Ich will auch keine Holzuhr mit wegrationalisiertem Zifferblatt am Handgelenk, keinen Herrenschal, keine Herrenhandtasche, keine Ray-Ban-Sonnenbrille, keinen SUV und ich brauche kein Smartphone, das so groß ist wie zwei Tablets. Ihre degenerierten Trends kann sich die Industrie also gerne wo hinschieben.

Trendsetter sind oftmals weit davon entfernt, Vorbilder zu sein

Wenn ich mir etwas kaufe, dann muss es MIR gefallen oder zweckmäßig und robust sein. Wer bestimmt eigentlich, was gerade „trendy“ ist und als das neue „Muss“ gilt? Irgendwelche prominenten Trendsetter, die oftmals weit davon entfernt sind, Vorbilder zu sein. Fußballstars zum Beispiel. Oder Musiker. Oder Formel-1-Fahrer. Menschen, die fernab der Realität existieren und größtenteils naturdumm, besoffen oder zugedröhnt durch die Gegend laufen. David Beckham gilt als der Urvater des Metrosexuellen. Muss ich deshalb herumlaufen, wie der letzte Hofnarr? Nein. Franck Ribéry trägt eine 120.000-Euro-Armbanduhr, frisst vergoldete Steaks, prostituiert sich damit auf Instagram und lässt im Anschluss den Kritikern ausgiebig seine Gossenherkunft zuteilwerden. Muss ich ihm deshalb nacheifern und seinen Kleidungsstil imitieren? Nein, ihn wohl besser bemitleiden. Aber zumindest entspräche die Kleidung eines kleinwüchsigen Franzosen dem aktuellen Slim-Fit-Hype.

Wer Trends folgt, gibt seine persönliche Note auf

Lewis Hamilton hingegen manifestiert seine Unmännlichkeit mittels prunkvoller Ohr- und Nasenringe und schwimmt damit ebenfalls auf der Metro-Welle ganz oben. Zusammen mit Justin Bieber und Christiano Ronaldo. Modetrends verkörpern gesellschaftlichen Stumpfsinn, stehen für den geistigen Verfall unserer Zeit, führen zu Ausgrenzung und zerstören die Individualität des Einzelnen. Nur weil irgendein gehypter und überkandidelter Kasper sich gerne zum Affen macht, muss niemand hinterher springen wie ein Lemming. Wer Modetrends folgt, ist nichts als ein erbärmlicher Loser, der seinen persönlichen Stil bereits aufgegeben hat. Ich jedenfalls lasse mir keine Trends aufoktroyieren. Von niemandem. Da kann mich die Verkäuferin im Jeansladen oder im Schuhgeschäft solange schief anschauen, bis sie umkippt.

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