Der alljährliche Ablese-Terror

Ablese-Terror

Es ist wieder soweit: Der alljährliche Ablese-Terror hat Hochkonjunktur. Knallrote oder signalgelbe Zettel hängen bedrohlich wirkend an den Haustüren von Wohnanlagen und Mehrfamilienhäusern. Freitags zwischen 12:00 und 13:00 Uhr hat man zuhause zu sein, denn zu diesem Zeitpunkt kommt der Heizungs- oder Wasserableser. Dass ein berufstätiger Mensch zu den geforderten Zeiten überhaupt keine Möglichkeit hat, anwesend zu sein, spielt dabei selbsterklärend keine Rolle. Am liebsten wäre es den Ablese-Unternehmen wohl, wenn die Menschen ihr gesamtes Leben nach ihnen ausrichten würden. Für den Fall, dass man keine Zeit hat oder gar verreist ist, wird einem großzügig die Möglichkeit eines kostenpflichtigen Individualtermins angeboten. Wer nicht daheim ist und auch keinen Sondertermin vereinbart hat, wird im Anschluss daran angeschrieben, als sei er ein Schwerverbrecher und mit allerlei finanziellen Repressalien bedroht.

Mit dem Platzieren eines Zettels an der Haustür kommt kein Vertrag zustande

Die Ablese-Unternehmen suggerieren dem Bürger, dass sie über eine legitimierte Autorität verfügen würden oder man ihnen gegenüber irgendeine Art von Verpflichtung hätte. Dabei kommt mit dem bloßen Platzieren eines Zettels an der Haustür, überhaupt kein rechtsgültiger Vertrag zustande. Natürlich schreckt das die Firmen nicht ab, dies den Leuten anders verkaufen zu wollen. Die teils vor Dreistigkeit strotzenden Drohbriefe, könnte man daher bereits als Betrugsversuche werten. Erschwerend hinzukommt, dass dieses ganze Brimborium überflüssig wie ein Kropf ist, da jeder Mensch mit funktionierenden Augen und einem IQ über 80 problemlos in der Lage wäre, seine Zähler selbst abzulesen. Dieser ganze Ablese-Terror ist daher überwiegend als Selbstzweck eines parasitären Industriezweiges zu werten und nur in den wenigsten Ausnahmefällen wirklich sinnvoll. Hat man seine Ablese-Karte brav ausgefüllt und abgeschickt, kann man sich endlich wieder entspannen.

Der Ablese-Terror findet immer neue Wege

Sollte man meinen. Denn kurz darauf prangt der nächste unheilvolle Wisch an der Haustür. Die jährliche Überprüfung der Rauchmelder steht an. „Seien sie montags zwischen 10:00 und 11:00 Uhr zuhause“, heißt es dann großspurig. Selbstverständlich ist jeder Idiot in der Lage, seinen Rauchmelder selbst zu überprüfen oder die Batterie zu wechseln. Das ist jedoch nicht gewollt, denn sonst könnte ja kein beauftragtes Unternehmen seinen Reibach damit machen. So wird der Mieter kurzerhand entmündigt und ihm eine pseudo-gesetzliche Rauchmelder-Überprüfung aufgezwungen, die er ohne Weiteres selbst erledigen könnte. Wenn es nach mir ginge, könnten sich sämtliche Ablese- und Rauchmelder-Überprüfungs-Firmen ihren Terror gepflegt wohin schmieren.

Entweder ich bin zufällig zuhause oder sie richten sich unentgeltlich nach mir. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder x-beliebige Bittsteller mir seine Termine von fabulierter Wichtigkeit aufoktroyieren würde.

Der alljährliche Ablese-Terror

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