Die Kleinanzeigen-Penner

Kleinanzeigen

Wer kennt es nicht? Man mistet den Keller, die Garage oder den Dachboden aus und findet etwas, das zum Wegwerfen zu schade ist. Mangels Platz möchte man es aber trotzdem gerne loswerden. Ein anderer könnte ja vielleicht noch einen Nutzen oder Freude daran haben. Manchmal erhofft man sich noch einige Taler dafür, weil man das Fundstück funktionstüchtig oder vielleicht sogar in restauriertem Zustand abgibt und in ein paar Ersatzteile investiert hat. Die Zeit kann man ohnehin meist nicht rechnen. Ein altes Fahrrad zum Beispiel. Da bietet sich ein Inserat in den sogenannten Kleinanzeigen an. Ebay dürfte hier mit seiner Version zu den Bekanntesten zählen. Gemeinhin kann man sagen, dass das wirklich eine praktische Sache ist. Würden sich dort nicht die Kleinanzeigen-Penner tummeln.

Eine beliebte Masche dieser Kleinanzeigen-Penner ist es beispielsweise, einen Termin zu vereinbaren und dann einfach nicht aufzutauchen. Im Falle einer Verhinderung oder Umentscheidung würde es sich alleine schon aus Gründen der Höflichkeit gebühren, abzusagen. Dies wäre mit einem Mindestmaß an Anstand und einem Minimum an Aufwand locker zu bewerkstelligen. Allerdings scheitert es in den meisten Fällen bereits daran. Da darf man sich als Geschädigter schon einmal die berechtigte Frage stellen, mit was für asozialen und verkommenen Individuen man es hier zu tun hat. Entschuldbar ist ein derartiges Verhalten eigentlich nur durch den plötzlich eintretenden Tod.

Darüber hinaus wäre es den Kleinanzeigen-Pennern oft das Liebste, würde man seinen gesamten Tagesablauf nach ihnen ausrichten. So sah ich mich kürzlich der abstrusen Forderung ausgesetzt, Montag um 10:00 Uhr zuhause zu sein, damit die edle Dame zur Besichtigung des Objekts ihrer Begierde erscheinen könne. Als ich sie darüber aufklärte, dass ein normaler Mensch um diese Zeit gewöhnlicherweise einer Arbeit nachgehe, schien sie das derart irritiert zu haben, dass sie mir eine entsprechende Rückmeldung schuldig blieb. Erwerbsarbeit scheint bei den Kleinanzeigen-Pennern gemeinhin nicht besonders hoch im Kurs zu stehen. Dies könnte gleich eine Erklärung für den nächsten Punkt liefern: Bezahlen will niemand für gar nichts.

Am liebsten wollen die Aasgeier alles geschenkt bekommen. Die Wertschätzung an günstigen Gebrauchtwaren ist derart gering, dass man den Preis für ein Top-Fahrrad mit etlichen Neuteilen, angeboten zum fairen Preis von 50 Euro, ungesehen auf 30 Euro herunterzuhandeln versucht. Na klar, am besten verschenke ich es gleich, fahre es dem Kleinanzeigen-Penner bis vor die Haustür und lege noch 10 Euro drauf. Die Dreistigkeit kennt keine Grenzen, Illettrismus und Leseschwäche ebenfalls nicht. Versieht man seine Anzeige mit dem ausdrücklichen Vermerk KEIN VERSAND, so erhält man haufenweise Anfragen, ob denn kein Versand möglich wäre. Auch die Bitte, von Anfragen des Typs „was letzte Preis“ abzusehen, verhallt ungehört im Nichts. Der „letzte Preis“ ist bei mir deshalb grundsätzlich das 20-Fache des ursprünglich angesetzten. Daran ändert sich dann auch nichts mehr.

Bietet man einen Satz Stahlfelgen an, so wird man gefragt, ob man die Felgen auch einzeln verkaufe. Na klar doch, denn die anderen drei Felgen verkaufe ich dann sicher noch viel besser. Es bewegen sich ja bekanntlicherweise fast nur Dreiräder auf deutschen Straßen. Gesunder Menschenverstand und logisches Denkvermögen scheinen den Kleinanzeigen-Pennern, deren Anfragenmüll man zudem oft mühevoll entziffern muss, völlig fremd zu sein. Das hat weniger etwas damit zu tun, dass ich mich über Menschen, die des Deutschen nicht mächtig sind, lustig machen möchte. Hier fehlt es an der grundlegenden Bemühung, seinem Gegenüber eine Frage verständlich zu machen. Da liefert selbst ein Google-Translator bessere und verständlichere Ergebnisse. Auch eine Anfrage in korrektem Englisch wäre kein Problem.

Ein Problem habe ich dann, wenn mir einfach nur liebloser Buchstabensalat vor die Augen gerotzt wird. Bevor ich mich mit solch einem Rindvieh auseinandersetze, das die einzelne Felge dann am liebsten noch auf unter fünf Euro herunterhandeln würde, bringe die Dinger lieber gleich zum Schrotthändler. Zum Glück lernt man hin und wieder auch nette Leute kennen, die pünktlich zum vereinbarten Termin erscheinen. Ein bisschen Feilschen vor Ort ist meist üblich und auch völlig in Ordnung. Den Zuschlag für das Fahrrad bekam letztendlich ein junger Inder, der eigens mit dem Zug aus dem 70 Kilometer entfernten München anreiste und sich sehr über das Schnäppchen freute. Die Korrespondenz erfolgte in Englisch. Und weil er nett und höflich war, gab es sogar noch ein Batterielicht dazu. Ohne Aufpreis.

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