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Zombie-Droge: Alkohol

In den lauen Sommernächten ist es wieder soweit. Unter dem Deckmantel einer bunten Mischung an Themen finden in den Gemeinden und Städten alljährlich die verschiedensten Feste statt. Blaskapellen, Umzüge, Stände und liebevoll dekorierte Altstädte gereichen als perfide Tarnung, nur um einem bestimmten Zweck dienen: dem gesellschaftlich zelebrierten Massenbesäufnis. Was zu früher Stunde noch im friedvollen und lustigen Beisammensein stattfindet, schlägt spätestens nach Eintreten der Dämmerung rapide ins Gegenteil um. Dann, wenn die Zombie-Droge Alkohol langsam beginnt, ihre volle Wirkung zu entfalten. Das Hauptproblem hierbei ist, dass ein Großteil der Menschen weder Alkohol zu vertragen scheint, noch seine Grenzen kennt. Von Prügeleien über motorische Totalausfälle bis hin zu öffentlichkeitswirksam ausgetragenen Beziehungsdramen, offenbart sich dem nüchternen Beobachter die volle Pracht der menschlichen Evolution im Rückwärtsgang.

Die Zombie-Droge Alkohol kann grundlegende menschliche Eigenschaften außer Kraft setzen

Diese reicht zurück bis in die Steinzeit und weit darüber hinaus. Als unsere Reptilien-Vorfahren einst aus dem Ur-Ozean an Land krochen und dort das erste Mal orientierungslos herum rollten, mag dies ein ähnliches Bild abgegeben haben. Mit dem Unterschied, dass ein urzeitliches Reptil dabei weder seine Selbstachtung, noch seine Würde verlor. Heute hingegen wanken wildgewordene Horden schreiend, randalierend und kotzend durch die Gassen. Eine zielführende verbale Kommunikation mit diesen selbst sedierten Alkohol-Zombies ist in der Regel aussichtslos. Abgesehen von unkultivierten Grunzlauten, unverständlich vorgebrachtem Sermon oder aggressiv-primitivem Gestänker bringt ein Betrunkener nichts mehr zustande. Im besten Falle schafft man es noch rechtzeitig, von der Bierbank zu kippen, bevor der Schließmuskel endgültig versagt. Andere kriechen in menschenunwürdigen Haltungen auf dem Toilettenboden herum und bedienen sich ihres Erbrochenen als Gleitmittel zum besseren Vorankommen, wie eine Nacktschnecke ihrer Schleimspur.

Massenbesäufnisse enden spätestens im Desaster, wenn Volltrunkene den Festplatz und dessen Umgebung in ein Zombie-Land verwandeln. Das stellt jährlich ein beachtliches Problem für die Allgemeinheit dar. Zu größeren Festen werden die späteren Zombies busweise aus anderen Teilen des Landes angekarrt oder sogar aus dem Ausland importiert. Erst werden Unmengen an Geld in teils überteuerte Alkoholika investiert, um sich anschließend ausgiebig damit vollzukotzen. Für die fäkale Notdurft an Ort und Stelle erfüllt zumindest die traditionelle bayerische Lederhose als flüssigkeitsabweisendes Kleidungsstück eine nützliche Funktion. Der übermäßige Genuss des beliebten Rauschmittels führt dazu, dass das oft ohnehin bereits unterentwickelte Denkorgan nur noch die rudimentärsten Funktionen erfüllt. Artikulationsvermögen, soziale Kompetenz und eine mangelfreie Motorik gehören nicht dazu. Stattdessen grölt man inbrünstig herum, benimmt sich schlimmer wie jedes Tier und lässt die Sitten in astronomischer Geschwindigkeit verfallen.

Alkohol
Was viele nicht wissen: Man kann Alkohol auch in Maßen genießen.

Früh übt sich

Insofern steht der Alkohol der berüchtigten Zombie-Droge Cloud Nine in nichts nach. Im Gegenteil. Er ist wesentlich gefährlicher, da er im Übermaß vorhanden und hierzulande so billig zu erwerben ist, dass man ihn nicht einmal selbst herstellen muss. Er ist immer und zu jeder Zeit verfügbar. Schon die Jugend wird frühzeitig mit dem fragwürdigen Kult vertraut gemacht und von den großen Vorbildern in das despektierliche Saufgelage eingeführt. Wer nicht mitmacht muss damit rechnen, als Langweiler, Spießer oder Spielverderber diffamiert und ausgegrenzt zu werden. Bechern bis der Arzt kommt lautet die Devise, selbst wenn dies anschließend in Embryonalhaltung unter dem Biertisch endet. Als tollster Hecht gilt derjenige, der am meisten saufen kann.

Tatsächlich müssen sich oftmals Helfer, Sanitäter oder die Polizei mit den herumliegenden Alkohol-Leichen auseinandersetzen, die man aufgrund ihrer hochprozentigen Ausdünstungen auch als leicht entzündlichen Sondermüll einstufen könnte. Alles was einen Menschen ausmacht, kann die Zombie-Droge Alkohol vollständig außer Kraft setzen. Alkoholismus ist gesellschaftsfähig, zählt längst nicht mehr als Stigma und selbst das asozialste Massenbesäufnis avanciert kurzerhand zum Kulturgut. Somit müssen Abstinenzler, salonfähige Genusstrinker (zu denen sich auch der Autor zählt) und arglose Anwohner weiterhin mit Pöbeleien, Vandalismus, Lärm und Vorgärten voller menschlicher Exkremente leben. Auch gestohlene Fahrräder, die nach der stockbesoffenen Heimfahrt im nächstgelegenen Bach entsorgt werden, gehören ebenso zum guten Ton in der Welt der Zombies, wie vermüllte Straßen voller Scherben und halbgefressener Kebabs.

Unter Alkohol-Einfluss lebt es sich leichter

Vor dem Erreichen des Endstadiums wandeln die Betroffenen ihre Kritikfähigkeit noch schnell in pathologische Selbstüberschätzung um. Da hält sich selbst der sonst eher schüchterne kleine Sesselfurzer mit Brille plötzlich für The Rock. Einzig der geneigte Schürzenjäger könnte einen Ausflug ins Zombie-Land als Vorteil nutzen, um auf seine Kosten zu kommen, eine hohe Ekelschwelle vorausgesetzt. Weibliche Alk-Zombies sind wahre Meisterinnen darin, sich gehen zu lassen und an freizügiger Billigkeit oft nicht zu überbieten. Doch auch so manche Frau kann die List für ihre Zwecke nutzen.

Dank bierbeseeltem Hormonrausch zückt der betrunkene Mann stets bereitwillig den Geldbeutel und die Hoffnung auf ein Schäferstündchen im Vollsuff macht den auserwählten Zombie schnell zum willfährigen Diener und Gönner des gesamten Abends. Wenn man sich auf Kosten des notgeilen Trottels gütlich getan hat, reicht ein vorgetäuschter Toilettenbesuch aus, um sich aus dem Staub zu machen. Zwei Minuten später wird das wandelnde Opfer seiner eigenen Maßlosigkeit ohnehin nicht mehr wissen, wen es gerade eben noch vollgelallt hat.

Die Zombie-Droge Alkohol

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