Die SUV-Fahrer

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Auch das, neben plastiküberfluteten Weltmeeren, größte Übel unserer Zeit drängte sich immer wieder in die Präsenz: die motorisierte und individuelle Mobilität. Auch wenn ich mich nicht als besonderen Freund der Grünen bezeichnen kann, so zeigt ihre jüngste Erfolgsgeschichte bei den Landtagswahlen in Bayern und in Hessen doch eines: Die Menschen haben die Schnauze voll von diesem ganzen Auto und SUV-Irrsinn und wollen offensichtlich, dass sich etwas ändert. Es lässt sich einfach nicht leugnen, dass immer mehr Wähler auf Grün setzen. Man muss die Grünen nicht mögen, um zuzugeben, dass sie in manch einem Punkt gar nicht so falsch liegen. Die Ausgrenzung einer einzelnen Technologie, in Form von irrwitzigen Diesel-Fahrverboten, lehne ich allerdings strikt ab. Sie ist ungerecht, nicht zielführend und geht weit an einer nachhaltigen Problemlösung vorbei.

Das Sinnbild einer entmenschlichten Gesellschaft: der SUV

Im Endeffekt bestraft sie nur den kleinen Mann, anstatt jene, die es eigentlich treffen sollte: Faule und egoistische Menschen, die mit ihren Autos aus purer Bequemlichkeit die Straßen oder Städte verstopfen und dabei auch noch einen skrupellosen und hierzulande völlig übervorteilten Industriezweig fördern. Die Krönung dieses kranken Auswurfes bildet hier die Gruppe der SUV-Fahrer. Der Stadtgeländewagen ist nicht nur das ultimative Sinnbild für die Verschwendung von Ressourcen, sondern auch für eine entmenschlichte Gesellschaft, deren Städte rund um die Uhr von stinkenden Blechlawinen, Stress, Stau und Parkplatznot dominiert werden. Eine Welt, in der das Auto über allem steht, seine Fahrer gut abgeschirmt und voller Gleichgültigkeit gegenüber des Geschehens um sie herum in ihren tonnenschweren Monstern sitzen und von nichts als Dekadenz, Ignoranz, Rücksichtslosigkeit und Egomanie zeugen.

Für die Autoindustrie ist das eine gemähte Wiese, wie sie besser kaum sein könnte. Deshalb wird jeder noch so triviale Wunsch des Kunden nach größer, breiter, länger, schwerer, bulliger, protziger, perverser, noch mehr PS und Ausstattung umgehend befriedigt und unter den Posaunen der Selbstherrlichkeit auf den Markt geworfen, ohne diesen kapitalistisch degenerierten Auswuchs an geistiger Umnachtung auch nur im Ansatz zu hinterfragen. Wer diesen Zustand kritisiert, dem wird nicht selten Neid unterstellt. Warum man allerdings eine Kreatur beneiden sollte, die sich derart in Armseligkeit ergeht, dass sie sich über ein Fahrzeug definieren muss, bleibt im Rahmen derartiger Unterstellungen stets unbeantwortet.

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Ein echter Geländewagen im Einsatz: Ein SUV hätte hier bereits kläglich den Dienst versagt.

SUVs verfügen über keinerlei Existenzberechtigung

Viel mehr zeugt dieses Argument von Hilflosigkeit gegenüber der eigenen Unzulänglichkeit, der Unfähigkeit zur Selbstkritik und der völligen Überbewertung der eigenen Person. Wirklich zu beneiden sind Menschen, die es geschafft haben, ein Leben ohne Auto führen zu können und die sich somit vom Joch und dem Druck der motorisierten individuellen Mobilität befreit haben. Sie haben den ersten Schritt getan, sich der Rolle der ewigen Melkkuh des Staates ein Stück weit zu entziehen, dem Stress zu entsagen und keine Förderer von kriminellen Öl- und Auto-Industrien mehr zu sein. Wenn man also schon versucht, einem gravierenden und unausweichlichen Problem mit Verboten Herr zu werden, dann sollte man dort beginnen, wo es wirklich Sinn macht: Bei Vehikeln, die rational gesehen über keinerlei Existenzberechtigung verfügen und deren Eignern jegliche Form von Umweltbewusstsein, wirtschaftlichem Denken und sozialem Gemeinschaftssinn fremd ist.

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Wohl eines der populärsten Modelle unter den SUVs: der Porsche Cayenne. Bei Vollgas lässt die Top-Version gerne mal bis zu 70 Liter Benzin auf 100 Kilometer durch. In die Umweltzonen darf das Monstrum trotzdem.

Die angeführten Argumente der SUV-Fahrer sind hanebüchen und sprechen Bände: Man möchte höher sitzen, einen besseren Überblick haben oder sich schlichtweg sicherer fühlen. Oder man möchte einen Anhänger ziehen. Womit zogen die Menschen bloß ihre Anhänger, als es noch keine drei Tonnen schweren, zwei Meter breiten und sechs Meter langen Stadtgeländewagen gab? Abgesehen davon, dass 95 Prozent dieser absurden Gefährte nicht einmal über eine Anhängerkupplung verfügen. SUV-Fahrer halten sich für überlegen, obwohl sie genau das Gegenteil sind. Ein klares Zeichen dafür, dass diese Ego-Menschen die Zeichen einer Zeit, in welcher der öffentliche Raum immer knapper wird und eine globale Umweltkatastrophe mittelfristig bevorsteht, noch nicht erkannt haben, nicht erkennen wollen oder an dieser Aufgabe schlicht mangels Intellekt scheitern.

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Jede Klapperkiste kann einen Anhänger ziehen. Vorausgesetzt, sie verfügt über eine Anhängerkupplung.

Die SUV-Fahrer verkörpern eine unzeitgemäße Ideologie

Stattdessen lebt man im Anachronismus und beharrt stumpf auf seinem Recht auf eines von vielen Problemen, die man sich im Laufe der Jahrzehnte direkt aus den Vereinigten Staaten importiert hat: Einem völlig deplatzierten Gigantismus, der für Straßen und Parkplätze erdacht wurde, welche in Europa schlicht nicht existieren. Zwischenzeitlich ist die SUV-Manie zur regelrechten Landplage avanciert. Deshalb meine Forderung an die Politik: Besteuert die Kisten bis zum Umfallen, sorgt für kleinere Parkplätze, engere Parkhäuser und verschmälert die Straßen durch Radwege. Verbannt die Ungetüme aus den Innenstädten, verweigert ihnen die Zulassung und lasst ihre Fahrer an ihrem eigenen asozialen Egoismus ersticken. Macht endlich den öffentlichen Nah- und Fernverkehr wieder sozial und attraktiv, fördert Fahrgemeinschaften und belohnt die umweltfreundliche Fortbewegung mit dem Fahrrad.

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Ein SUV, dort wo er hingehört.

Das Phänomen der Eltern-Taxis

Ebenfalls perfekt fügen sich die sogenannten Eltern-Taxis in das gezeichnete Bild der SUV-Fahrer ein. Die Kinder werden morgens mit dem Stadtgeländewagen zur Schule oder zum Kindergarten gebracht, dabei wird kurzerhand im Halteverbot, auf der Busspur, auf dem Behindertenparkplatz oder inmitten der Straße gehalten, der gesamte Verkehr blockiert und andere Verkehrsteilnehmer ohne Rücksicht auf Verluste gefährdet. Die Kinder lernen somit von ihren Eltern, dass es völlig in Ordnung ist, sich asozial und rücksichtslos zu verhalten. Damit ist der Weg geebnet, dass der Nachwuchs später einmal selbst zum SUV-Fahrer wird. Zu hoffen bleibt nur, dass dem Phänomen SUV bis dahin Einhalt geboten wurde. Ein schier unglaubliches Detail am Rande: Ich selbst fuhr mehr als zehn Jahre lang mit dem Fahrrad zur Schule und ich habe überlebt.

Abschließendes Fazit

Die motorisierte und individuelle Mobilität sollte langfristig alleine denen vorbehalten sein, die sie wirklich benötigen: Behinderten und körperlich eingeschränkten Menschen. Andere Länder können uns hier nur als Vorbild dienen und ein Blick in Städte wie Kopenhagen oder Amsterdam zeigt, dass dies nicht nur funktioniert, sondern auch noch sehr gut funktioniert. Deshalb, schickt die SUVs dort hin, wo sie hingehören: in die Wüste.

Ein sehr guter und lesenswerter Artikel der Süddeutschen zum Thema: Autos, passt euch dem Leben an!

Weitere Quellen zum Thema:
SUV – in Blech gepresste Rücksichtslosigkeit
SUV: Lass deine Mitmenschen in Ruhe
Bayerische Altstädte stöhnen unter der SUV-Flut
Liebe 2,5 Millionen SUV-Fahrer: Ihr seid eines der größten Probleme, das Deutschland derzeit hat

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