Die deutsche Humorlosigkeit

Humorlosigkeit

Fragt man einen Ausländer, was man sich in dessen Land so über die Deutschen erzählt, folgen meist einhellige Antworten: Sie sind geizig, verstockt, arrogant, haben einen schlechten Geschmack, sind vernarrt in ihre Autos, hassen Kinder und vor allem haben sie keinen Humor. Seit jeher scheint es, als sei die Humorlosigkeit innerhalb unserer Nation eine ausgewachsene chronische Gemütskrankheit. Davon zeugt auch wieder jüngst der Fall eines Unbekannten, der in einem Kaff vor einer Bahnschranke seinen Motor abgestellt hat. Dafür soll er nun bestraft werden. Doch was war geschehen? Kurzum: Jemand hat es mit dem Abstellen des Motors etwas zu wörtlich genommen und einen alten VW-Motor am Verkehrszeichen vor einer Bahnschranke abgestellt.

Exekutive und Amtsschimmel ergehen sich in Humorlosigkeit

In jedem anderen Land würde man das Ding entweder stehen lassen, bis es Moos ansetzt, oder einmal ausgiebig darüber lachen und den Klotz anschließend ohne großes Aufheben entsorgen. Ein gewitzter Mensch würde vermutlich sogar versuchen, Geld daraus zu machen und sich über das Geschenk freuen. Nicht jedoch in Deutschland. Hierzulande wird umgehend die bürokratische Betonschädel-Maschinerie in Gang gesetzt und es werden schwerste Geschütze aufgefahren, um den Schwerverbrecher zur Strecke zu bringen und ihm nach Gutdünken noch irgendwelche selbst hochgerechneten Kosten aufzuerlegen. Die Polizei ermittelt aufgrund einer Ordnungswidrigkeit und sicher reibt sich auch der Staatsanwalt schon die Hände.

Der Absteller hielt sich exakt an die Weisung des Verkehrszeichens

Leider geben die Quellen nicht her, wegen was denn nun eigentlich genau ermittelt wird. Um ein Umweltvergehen kann es sich kaum handeln, denn außer Asphalt ist auf dem Beweisfoto der schrecklichen Untat ja nichts zu sehen. Dabei hat der Absteller des Motors nicht das Geringste falsch gemacht, sofern die Schranke wirklich geschlossen war. Es kann also davon ausgegangen werden, dass er sich exakt an die Weisung des Verkehrszeichens gehalten hat. Will man ihm das ernsthaft zum Vorwurf machen? Schuld kann demnach nur der Erfinder dieses Schildes sein, welcher offensichtlich nicht in der Lage war, sich unmissverständlich und eindeutig auszudrücken. Die Anweisung lautete ganz deutlich: „Bei geschlossener Schranke bitte Motor abstellen„.

Nichts anderes taten der oder die Unbekannten. Das Befolgen von Verkehrsschildern kann in Deutschland also ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen.

Besondere Taten verdienen eine besondere Würdigung

Angesichts der vorherrschenden gravierenden Humorlosigkeit in Deutschland, ist es den gesetzestreuen Übeltätern von Herzen zu wünschen, dass sie nicht geschnappt werden. Denn, mir zumindest, haben sie zu einem herzlichen Lacher verholfen. Deshalb möchte ich zudem unbekannter Weise den Goldenen Rabotnik Orden für besondere Gesetztestreue verleihen.

Humorlosigkeit

Bei geschlossener Schranke bitte Motor abstellen

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